Bobtail im Rasseportrait

57289
0

Bobtail

Steckbrief

Hütehunde
Herkunft UK Lebenserwartung 12-13 Jahre
FCI-Standard FCI Gruppe 1: Hütehunde und Treibhunde Funktion Hütehunde
Größe Mittelgroße Hunderassen Häufige Krankheiten Hautprobleme, MDR1-Defekt, Augenerkrankungen
Gewicht unbekannt Felllänge lang
Charakter/Wesen ausgeglichen, treu, zuverlässig, stur, ruhig Fellfarbe grau, blau
Besonderheiten

alte Hunderasse

Rassenmerkmale und Erscheinungsbild

Wie sieht ein Bobtail aus?

Der Bobtail ist ein großer Hund, der sofort durch sein sehr üppiges, langes Haarkleid ins Auge sticht. Der Bobtail, offiziell „Old English Sheepdog“, ist ein stattlicher, klassischer Hüte- und Treibhund aus Großbritannien. Das ursprünglich nur mittellange Fell ist ein typisches Merkmal dieses ehemaligen Hirtenhundes. Früher half es ihm bei seiner Arbeit draußen bei rauem Wind und nasskaltem Wetter sowie gegen einen Wolfsbiss. Das praktische Zuchtgeschehen neigt wie so oft auch hier zu Übertreibungen. Hinter dem Fellballen ist der eigentliche Hund oft nicht mehr auszumachen. Die Haare vor den Augen müssen hochgebunden werden, damit die Hunde überhaupt sehen können. Dabei bestimmt der Standard, dass alle Übertreibungen, die negativen „Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden des Hundes und seine Fähigkeit, die verlangte rassetypische Arbeit zu erbringen“ haben, ausdrücklich als Fehler abgelehnt werden. Auf alten Abbildungen werden die Old English Sheepdogs durchweg mit einem gesunden Fell gezeigt, mittellang, mit mäßig behaartem Kopf und insbesondere mit freien Augen. Als Fellfarbe sind grau, blau, grizzle erlaubt. Die Rute wurde früher kupiert, heute wird sie natürlich getragen, soll aber mit reichlich Haar von harter Textur gut befedert sein. Der Klang des Bellens eines Bobtails ist eine Besonderheit. „Sein Gebell ist laut, aber mit dem Anklang an das Tönen eines zerbrochenen Topfes“ notiert 1895 der Comte de Bylandt.

Wie groß ist ein Bobtail?

Rüden sollen eine Widerristhöhe von mindestens 61 cm vorweisen, Hündinnen von mindestens 56 cm.

Wie alt wird ein Bobtail?

Ein gesund gezüchteter Bobtail hat eine durchschnittliche Lebenserwartung von 12 bis 13 Jahren, was für einen Hund seiner Größe sehr positiv ist.

Wesenszüge und Charaktereigenschaften

Welche Eigenschaften hat ein Bobtail?

Der Bobtail ist im Kern seines Wesens immer noch ein Hirtenhund. Seine auf den ersten Blick etwas behäbige Erscheinung kann täuschen. Der Old English Sheepdog kann blitzschnell sein, enorme Energie und dabei große Lebensfreude entwickeln. Heute wird er kaum noch in der Hüte- oder Treibarbeit eingesetzt. Aufgrund seines extremen Fells könnte er diese Arbeit auch nicht mehr machen. Der Bobtail wird schon lange nur noch als Begleithund gezüchtet. Das muss kein Nachteil sein. Er findet sich dadurch uneingeschränkt in seine heutige Rolle als Familienhund ein. Heute behütet er seine Menschenfamilie im besten Sinne. Bei aller Friedfertigkeit weiß er jedoch im Zweifelsfall, seine Familie zu beschützen. Der Spieltrieb bleibt ihm bis ins hohe Alter erhalten. Das Problem der arbeitsmäßigen Auslastung, dass man oft mit aktiven Hütehunden in der Rolle des Begleiters hat, stellt sich aber beim Old English Sheepdog kaum. Das ist ein nicht zu unterschätzendes Plus für ein glückliches Zusammenleben. Der offizielle Standard beschreibt sein Wesen treffend als:

Ein anpassungsfähiger Hund mit ausgeglichenem Wesen, kühn, treu und zuverlässig, ohne jegliches Zeichen von Nervosität oder unbegründeter Aggressivität.

Der Bobtail gilt als zuweilen recht stur und dickköpfig. Hier sind Hundeverstand wie liebevolle Überzeugungskraft von Herrchen und Frauchen gefordert. Es zählt zu dem besonderen Charme dieses Hundes, dass er uns Menschen nicht einfach zu Füßen liegt, uns aber zugleich innig und treu verbunden ist und nicht zuletzt mit seiner Cleverness und seinem Humor überrascht. Der Old English Sheepdog ist ein toller Begleiter, Freund und Partner für uns Menschen ob als Familie oder als Single, ob jung oder alt.

BobtailHerkunft & Geschichte

Wo kommt der Bobtail ursprünglich her?

Der Bobtail war der Hütehund des Landadels und reicher Bauern. Neben den kleineren und wendigeren Collies hatte er zum einen gewisse Schutzfunktion für die Herden wie auch für die Anwesen seiner Herrschaft. Zum anderen half er beim Treiben der Rinder von einer Weide zur anderen oder etwa zum Schlachter. Der Old English Sheepdog ist bereits seit mehr als einhundert Jahren in erster Linie ein attraktiver Begleithund geworden. Den Namen Bobtail, „Kurzschwanz“, trägt der Old English Sheepdog aufgrund eines Gendefekts. Im Genpool dieser Hunderasse schlummert eine Mutation, die als sichtbares Ergebnis immer wieder einmal einen Stummelschwanz erzeugt. Zugleich kann diese Mutation schwere gesundheitliche Folgen haben. Die Kurzschwänzigkeit wurde dem Old English Sheepdog jedoch als Markenzeichen mitgegeben. Wo die Natur, respektive der Gendefekt keinen Stummelschwanz erzeugte, kupierte man ihn kurzerhand. Das ist inzwischen verboten. Vero Shaw, Tiermaler und langjähriger Vorstand des britischen Kennel Clubs verfasste 1881 ein wegweisendes Buch über die damaligen Hunderassen Großbritanniens „The illustrated book of the dog“. Im Kapitel über die Schäferhunde beschreibt er die Collies und den „bob-tailed sheep-dog“ ausführlich. In dem 2000 Seiten umfassenden, zweibändigen Werk „Dogs of all Nations“ des belgischen Comte de Bylandt aus dem Jahre 1895 wird er als „Old English Bobtail“ vorgestellt. Bemerkenswert ist bei diesen wie auch den anderen Büchern jener Zeit, dass der Bobtail in den wirklich zahlreichen Abbildungen durchweg mit lediglich mittellangem Fell und mäßig behaartem Kopf und insbesondere freien Augen gezeigt wird. Den übermäßig mit Fell ausgestatteten Hund der heutigen Rassehundezucht sehen wir nicht! Diese unnatürliche, extreme Belastung für Gesundheit und Lebensfreude der Hunde wurde dem Bobtail erst in den letzten Jahrzehnten ohne Not angezüchtet. 1963 wurde der Bobtail offiziell von der Fédération Cynologique Internationale anerkannt. Seine Hauptaufgabe ist heute das emotionale „Behüten“ seiner menschlichen Familie, eine Aufgabe in der er sich ganz hervorragend macht. In Deutschland wird er vom Club für Britische Hütehunde und vom 1993 gegründeten Spezialclub Deutscher Old English Sheepdog Club im VDH betreut. Die Arbeit der beiden Vereine hat dazu beigetragen, dass es um den Bobtail eine gefestigte Liebhabergemeinde auch in Deutschland gibt. Jedes Jahr werden etwa 200 Welpen geworfen. Es bleibt zu hoffen, dass sich Zuchtszene und Liebhabergemeinde rund um den Old English Sheepdog auf die Wurzeln dieses Hundes besinnen und ihm wieder sein altes, maßvolles Haarkleid zurückgeben.

Beliebte Mixe

Mixe von Bobtail mit anderen Hunderassen oder Mischlingen sind selten.

Pflege, Gesundheit und Krankheiten

Wie viel Pflege braucht ein Bobtail?

Ein Bobtail braucht aufgrund seiner oft übermäßigen Haarpracht regelmäßige, intensive Fellpflege mehrfach die Woche. Je üppiger das Fell, desto mehr Pflegeaufwand.

Gibt es beim Bobtail rasseytypische Krankheiten?

Der Bobtail ist im Kern eine gesunde Hunderasse. Durch die einseitige Orientierung auf Äußerlichkeiten, durch Zucht auf das extrem lange wie üppige Fell gibt es zuweilen gesundheitliche Probleme mit der Haut und der Thermoregulation. Verschiedene Erbkrankheiten sind verbreitet wie der MDR1-Defekt und solche, die die Augen oder Ohren betreffen. Diese werden in der seriösen Zucht bekämpft. Viele Bobtails werden durch das zu üppige Fell am Kopf im Sehen wie allgemein in ihrer Lebensqualität behindert.

Welches Futter ist für einen Bobtail am besten?

Der Bobtail stellt keine besonderen Ansprüche an seine Ernährung. Natürlich ist hochwertiges Futter gut für seine Gesundheit und er schmeckt es auch. Wie die meisten Hunde mag er mal einen fleischigen Rinderknochen und frisches Fleisch. Der Bobtail eignet sich auch zum Barfen.

Aktivitäten

Wie viel Pflege braucht ein Bobtail?

Ein Bobtail stellt keine besonderen Anforderungen aber er eignet sich für viele Aktivitäten, die Du mit Hund unternehmen kannst. Er ist nicht der ideale Hund für Hundesport, aber es geht mit ihm auch und vor allem, es kann Beiden Spaß machen.

Überlegungen vor der Anschaffung

Wo kann man einen Bobtail kaufen?

Wenn du dich für einen Bobtail interessierst, solltest du dich bei einem Old English Sheepdog-Züchter vor Ort oder in einem Tierheim umschauen. Du solltest nach einem Züchter suchen, der seine Hunde nicht auf Äußerlichkeiten und Championate im Ausstellungswesen orientiert. Es ist empfehlenswert, sich lange vor der Anschaffung nach Züchtern umzuschauen und hier Kontakte zu knüpfen. Der Züchter sollte dem VDH angeschlossen sein und seine Hunde auf die besonderen Risiken hinsichtlich Erbkrankheiten getestet haben. Das ist in der seriösen Zucht selbstverständlich. Zudem sollte keine Inzucht vorliegen, was Du anhand des Stammbaums abschätzen kannst, wenn dort kein Name doppelt auftaucht. Der Züchter sollte seinen Wurf per Foto gut dokumentiert haben. Du solltest Dir den Wurf zusammen mit der Mutterhündin, nach Absprache, vor Ort anschauen können. Bitte kaufe keinen Bobtail übers Internet, da dort das Risiko sehr groß ist, dass der Welpe von einem – in aller Regel gut getarntem – Hundehändler oder Vermehrer kommt.

Erziehung und Haltung

Passt ein Bobtail zu mir?

Der Bobtail ist ruhiger und zugleich temperamentvoller Hund. Er will die Einbindung in die Familie und kann sich in diese auch anstandslos einordnen, fachkundige Erziehung vorausgesetzt. Ideal ist ein Haus mit Garten auf dem Land. Ein Bobtail ist ein liebevolles Mitglied der Familie und toller Partner für Kinder. Er fordert seine Halter nicht, will aber regelmäßige Beschäftigung. Hat er zuviel Langeweile kann er seine Energie am Mobiliar auspowern. Der Old English Sheepdog benimmt sich auf Reisen anstandslos. Auch im Restaurant oder Hotel benimmt sich vorbildlich, auf die Haare muss man aber achten. Es sollte auch nicht zu heiß sein. Zudem ist ein so großer Hund mit soviel Fell nicht überall gern gesehen. Ein Old English Sheepdog braucht viel Fellpflege, die Hunde der Ausstellungslinien noch viel mehr. Wenn das Fell einmal nass geworden ist, braucht es aufgrund der dichten Unterwolle sehr lange zum trocken werden. Dann riecht es nach Hund. Am besten transortierst du deinen Bobtail im Auto in einer professionellen Transportbox, die im Fachhandel angeboten wird. Der Bobtail lässt sich sehr gut erziehen, ist aber kein Hund, der nur auf Befehle wartet, um sie dann umgehend auszuführen. Er ist offen und ehrlich und arbeitet mit Herrchen und Frauchen zusammen. Zuweilen ist er etwas stur. Er hat einen starken Charakter. Die Kunst liegt darin, das richtige Maß an Konsequenz und Führung zu finden. Die entscheidende Grundlage ist immer eine enge emotionale und vertrauensvolle gegenseitige Bindung. Er ist friedfertig mit einer sehr hohen Reizschwelle für Aggressivität. Das macht es Herrchen und Frauchen leicht, diesen kräftigen Hund zu führen.

Interessantes, Wissenswertes & Extras

Der Bobtail ist eine markante Erscheinung mit einem markanten Charakter – temperamentvoll und zugleich cool. Etwas Fellpflege braucht der ansonsten robuste und anspruchslose Hund schon. Leider hat man diesen kernigen, klassischen Hütehund im Ausstellungsring zu einer Modepuppe degradiert.


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


Hilf uns, unseren Service weiter zu verbessern. War dieser Artikel hilfreich für dich?

Kommentare, Fragen und Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.