Collie im Rasseportrait

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Collie

Collie

Hütehunde
Herkunft UK Lebenserwartung 12 Jahre
FCI-Standard FCI Gruppe 1: Hütehunde und Treibhunde Funktion Hütehunde
Größe Mittelgroße Hunderassen Häufige Krankheiten Augenkrankheiten, MDR-1 (Stoffwechseldefekt)
Gewicht 18-30 kg Felllänge kurz oder lang
Charakter/Wesen freundlich, aktiv, agil, kinderlieb, intelligent, gutmütig, anhänglich Fellfarbe Zobel, dreifarbig, Blue Merle
Besonderheiten

leicht erziehbar, geringer Jagdtrieb

Herkunft und Rassegeschichte

Der Collie ist ein mittelgroßer Schäferhund. Er stammt ursprünglich aus Schottland. In den unwegsamen, oft schwer einsehbaren Highlands half er über viele Jahrhunderte hinweg den Hirten beim Hüten der Schafe. Zwei Eckpunkte formten sein Wesen und seinem Körperbau maßgeblich. Zum einen waren große Beutegreifer auf der britischen Insel seit langem ausgestorben. Die Hirtenhunde brauchten somit nicht die Körperkraft, um ihre Schafe vor Wölfen oder Bären zu schützen, wie es ihre Artgenossen auf dem Kontinent mussten. Sie konnten daher leichter und wendiger sein. Zum zweiten erforderte das schwierige Gelände, das nicht selten einen direkten Kontakt zum Schäfer unmöglich machte, dass die Hunde selbständig mitdachten. Die alten Collies mussten entscheiden, was denn wohl im Sinne ihres Herren zu tun sei. Das meisterten sie hervorragend.

Schon vor 200 Jahren hatte ihre Intelligenz einen weit über die Landesgrenzen reichenden, legendären Ruf. In seinem Buch „Dogs“, erschienen 1857, berichtet H. D. Richardson von den Heldentaten der Collies, die als typisch galten: Bei einem Unwetter hatte sich mitten in der Nacht eine Herde Schafe losgerissen und war in panischer Angst in der Berglandschaft verschwunden. Der Schäfer beklagte nur noch den herben Verlust. Doch am anderen Morgen war die Herde wieder da. Sein Collie hatte sie noch in der Nacht zusammengetrieben und sicher in den Stall geführt – ohne dass es einer Anweisung des Schäfers bedurft hätte.

Damals wurden sie noch Colleys oder schlicht schottische Schäferhunde genannt. Letzteres ist auch heute noch die offizielle Rassebezeichnung in Deutschland. Es gibt den Schottischen Schäferhund, alias Collie, in Lang- und Kurzhaar. Hier steht die meist anzutreffende Langhaar-Version im Mittelpunkt, von den Schotten „Collie Rough“ genannt. Durch die TV-Serie „Lassie“ wurde der langhaarige Collie weltweit bekannt und als Rassehund begehrt.

Der Collie wurde geradezu das Symbol der Partnerschaft zwischen Mensch und Hund. Leider hat ihm diese Prominenz allerdings nicht immer gut getan. Aus dem intelligenten Hirtenhund der schottischen Schäfer wurde ein heute teilweise von vielen Erbkrankheiten geplagter Rassehund. Denn die Rassehundezucht züchtete über Jahrzehnte einseitig nach fragwürdigen äußeren Schönheitsidealen wie eine zarte, lange Schnauze, ein seidiges, langes Haarkleid, dazu noch als passend definierte Farben bis hin zu Merle. Man kann nur hoffen, dass sich dieser Trend wieder umkehrt und uns diese fantastischen Hunde erhalten bleiben. 1955 erfolgte die offizielle Anerkennung des Langhaar-Collies durch die Fédération Cynologique Internationale. Der Kurzhaar-Collie musste jedoch noch bis 1974 warten. In Deutschland wird der Collie von zwei Vereinen im VDH betreut: dem Deutschen Collie-Club und dem Club für Britische Hütehunde. Gut 1000 Welpen fallen in Deutschland pro Jahr unter dem Dach des VDH.

Beschreibung

Der Collie hat ist eine ausgesprochen elegante, leichte und zugleich erhabene Erscheinung. Ihm fehlt jedes Anzeichen von Plumpheit. Dabei strahlen seine Augen intelligent und interessiert. Der offizielle Standard beschreibt ihn treffend so:

Er erscheint als ein Hund von großer Schönheit und gelassener Würde. Kein Einzelteil ist unproportioniert zum Gesamtbild. Der Körperbau ist geprägt von Kraft und Aktivität, er ist frei von Plumpheit und ohne jede Spur von Grobheit.

Rüden haben eine Widerristhöhe zwischen 56 und 61, Hündinnen von 51 bis 56 cm. Markant ist ihr langes Haar. Es besteht aus doppeltem, langem, hartem und geradem Deckhaar. Die Unterwolle ist dabei weich, kurz und dicht. Mähne und Halskrause sollen sehr üppig ausfallen. Maske und Gesicht glatt und kurz behaart. Collies sollen Kippohren haben. Das Fell soll dem Körper angepasst sein und nicht die äußeren Linien des Hundes dominieren oder beeinträchtigen.

An den Bestimmungen für die Fellfarben scheiden sich zuweilen die Geister. Sie sind sehr umfangreich und lassen eher an ein Modepüppchen statt an einen hochintelligenten Freund und Partner denken. Grundsätzlich sind drei Farben erlaubt: Zobel, dreifarbig und Blue Merle. Letzte Farbe gibt es beim Collie schon sehr lange. Sie beruht aber trotzdem auf einem Gendefekt, der mit einem stark erhöhten Risiko für Taubheit und Blindheit gekoppelt ist. Auch wenn man diese Nebenwirkungen durch entsprechende Kreuzungsregeln zu verhindern sucht, sollte man im Interesse des Tierschutzes auf eine solche Fellfarbe langfristig verzichten.

Charakter und Wesen

Die Rasse ist ausgesprochen lernbegierig und lernfähig. Sie lassen sich wie kaum ein anderer Hund sehr gut erziehen und lesen Herrchen und Frauchen jeden Wunsch vom Munde ab. Das setzt aber eine menschliche Hand voraus, die fachkundig oder/und mit viel intuitivem Hundeverstand ausgezeichnet ist. Auf Basis einer respekt- und vertrauensvollen Beziehung kann eine sehr innige Bindung wachsen, die von einem tiefen gegenseitigem Verständnis und Vertrauen geprägt ist. Denn der Collie ist ein besonders auf den Menschen orientierter Hund. Er ist gelehrig und will Herrchen und Frauchen gefallen. So kann man ihn auch für diverse Arbeitsaufgaben etwa als Assistenzhund oder im Hundesport ausbilden, wenn man möchte. Der Collie ist aber kein Arbeitsjunkie, den man ständig unter Feuer halten müsste.

Die Show-Zucht versucht aus diesen ehemaligen Arbeitshunden der schottischen Highlands flauschige, langhaarige Modepüppchen zu machen. Auf den Hundeausstellungen erlangen extrem behaarte und bepuderte Exemplare Championate, denen es zudem nicht selten an Fitness mangelt. Die Qualität eines Collies sollte niemals anhand des Fells gemessen werden. Das herrliche Wesen ist die besondere Qualität dieser intelligenten Vierbeiner. Das bringt der offizielle Standard zum Ausdruck wenn es heißt: „Freundlich veranlagt, ohne jegliche Spur von Nervosität oder Aggressivität. Ein ausgezeichneter Begleithund, freundlich, glücklich und aktiv, gut mit Kindern und anderen Hunden.“ Der Collie ist von seiner Herkunft her ein hoch leistungsfähiger Schäferhund. Mit Lassie wurde er berühmt, seine Intelligenz und Treue legendär. Er wurde das Symbol des treuen Freundes des Menschen. Ja, der Collie ist es real, auch heute noch!

Haltung

Der Collie passt sich flexibel den Lebensgewohnheiten seiner Familie an. Man kann ihn sogar in einer Etagenwohnung halten, wenn man sich nur fürsorglich um ihn kümmert. Natürlich liebt und braucht er seine täglichen und ausführlichen Runden, am besten in der Natur. Weil sich sein Jagdtrieb in Grenzen hält, kann man mit ihm sehr entspannt die Landschaft genießen. Er ist ein hervorragender Begleiter auch für ausgedehnte Wanderungen durch die Natur – solange es nicht um Leistungssport geht. Er kann genauso in einer Gaststätte oder einem Hotel ein perfektes Benehmen zeigen.

Wenn man von einer Hunderasse als hervorragendem Familienhund und behütenden Partner für die Kinder sprechen kann, so ist der Collie erste Wahl. Im Ernstfall kann er allerdings auch andere Seiten zeigen und verteidigt seine Familie engagiert. Ein allzu plüschiges, langes, seidiges Fell kann nicht nur den Blick auf seine eigentlichen Qualitäten, sein Wesen, verstellen. Beispielsweise kann er mit einem solchen Fellmantel kaum bei Regen in der Natur spazieren gehen, da sich Trocknung und Reinigung recht aufwändig gestalten. Ein gesund und ohne Übertreibungen gezüchteter Collie ist allerdings robust, genügsam und pflegeleicht.

Erziehung

Die Rasse lässt sich grundsätzlich sehr gut erziehen. Denn er hat ein offenes Wesen, will lernen und sich an seinem Herrchen und Frauchen orientieren. Mit seiner hohen Intelligenz und seiner schottischen Sturheit fordert er die Erziehungsfähigkeit seiner Menschen zuweilen heraus. Mit etwas Fachkunde, Konsequenz und vor allem einer liebevollen, verständnisvollen Bindung zwischen Zwei- und Vierbeiner lassen sich solche Herausforderungen sehr gut meistern. Der Collie verzeiht schon einmal Erziehungsfehler. Daher ist er auch für einen engagierten Anfänger mit Hundeverstand zu halten. Dieser sehr intelligente, feinfühlige Hund braucht eine verständnisvolle, mit Liebe führende Hand. Grundlage jeder Erziehung ist enge gegenseitige Bindung. Härte oder Kasernenhofstil sind selbstverständlich vollkommen kontraproduktiv.

Pflege und Gesundheit

Die Pflege eines gesund gezüchteten Collies ist anspruchslos. Lediglich das Fell muss bei der Langhaar-Variante regelmäßig gebürstet werden. Hunde der Show-Linien mit allzu üppigem und seidigem Fellschmuck brauchen sehr viel Pflege.

Rassetypische Krankheiten

Der Collie ist im Kern eine gesunde und robuste Hunderasse. Verschiedene in der Population verbreitete Erbkrankheiten wie erblich bedingte Augenkrankheiten oder MDR-1, ein Stoffwechseldefekt, werden in der seriösen Zucht bekämpft.

Ernährung/Futter

Der Collie ist beim Thema Ernährung in aller Regel unproblematisch.

Lebenserwartung

Die Lebenserwartung eines gesund gezüchteten Collie sollte bei etwa 12 Jahren liegen.

Collie kaufen

Wenn du einen Collie in dein Leben holen willst, solltest du dich vor Ort beim Züchter umschauen, der einem der beiden Vereine im VDH angeschlossen ist. Du solltest einen Züchter suchen, der nicht auf Championate im Ausstellungswesen orientiert ist. Die Testergebnisse auf die relevanten Erbkrankheiten in der Population sollten aktiv vorgelegt werden. Hie und da findest du auch im Tierheim deinen Collie. Welpen dieser Rasse kosten um die 1200 Euro.

 


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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