Azawakh im Rasseportrait

2275
0

Azawakh im Rasseportrait

Steckbrief

Jagdhunde
Herkunft Mali und Niger Lebenserwartung 12 Jahre und mehr
FCI-Standard FCI Gruppe 10: Windhunde Funktion Jagdhunde
Größe Große Hunderassen Häufige Krankheiten nicht bekannt
Gewicht 15-25kg Felllänge glatt und kurz
Charakter/Wesen kraftvoller, pfeilschneller Jäger und Wächter Fellfarbe fauve
Besonderheiten

starke Inzucht in der Zucht-Population

Rassenmerkmale und Erscheinungsbild

Wie sieht ein Azawakh aus?

Azawakhs haben den typischen Körperbau eines großen orientalischen Windhundes. Ihre Erscheinung ist ausgesprochen elegant und erhaben. Der Azawakh hat den muskulösen, schlanken Körperbau eines sehr schnellen und zugleich kraftvollen Windhundes. Seine stolze Ausstrahlung deutet an, dass er auch die Rolle eines Wächters und Beschützers innehatte. Er hat lange Beine zur raumgreifenden Bewegung. Der Kopf ist ebenfalls lang gestreckt. Die Augen sitzen vorne, wie es für einen Sichtjäger optimal ist. Sie sind dunkel und leuchten mit einem sehr aufmerksamen Ausdruck. Die Beine sind sehr hoch, so dass sein Körperformat ein hochgestelltes Rechteck umschreibt. Sein Haar ist kurz, dünn, am Bauch bis zur Haarlosigkeit reduziert. Alle Fauve – Farbnuancen von hell sandfarben bis zum dunklen Fauve (Mahagoni) sind zulässig.

Wie groß ist ein Azawakh?

Azawakh-Rüden haben eine Widerristhöhe von 64 und 74 Zentimetern und ein Gewicht von 20 bis 25 Kilogramm. Hündinnen zwischen 60 und 70 Zentimetern bei 15 bis 20 Kilogramm.

Wie alt wird ein Azawakh?

Ein gesund, ohne allzu starke Inzucht gezüchteter Azawakh hat eine Lebenserwartung von etwa 12 Jahren. Manche Hunde werden sogar deutlich älter bei guter Fitness.

Wesenszüge und Charaktereigenschaften

Welche Eigenschaften hat ein Azawakh?

Azawakhs sind Windhunde, kraftvolle Hetzjäger, stolze Wach- und Schutzhunde zugleich. Azawakhs sind sehr gefühlvoll und emotional. Sie brauchen eine sehr fachkundige und einfühlsame Führung. Daher taugen diese kräftigen, pfeilschnellen Jäger nicht als Anfängerhund. In ihrer Familie sind sie sehr sanftmütig, treu, kinderlieb. Das ist ein erstaunlicher Widerspruch und macht einen der vielen besonderen Reize dieser eindrucksvollen Windhunde aus. Bei aller Gelassenheit und dem Sanftmut, den diese Hunde im Alltagsleben ausstrahlen, solltest du immer im Bewusstsein halten, dass es extrem schnelle, scharfe Jäger sind. Wenn man mit ihnen durch die Natur geht, so scannen sie mit ihren wachen Sinnen immer die Peripherie. Sie haben dabei ein anderes Verständnis von Entfernungen. Was für uns noch weit weg ist, ersprinten sie in wenigen Sekunden. Da solltest du immer einen Tick mehr in die Zukunft vordenken, um diese Hunde immer unter Kontrolle halten zu können. Azawakhs haben ein ausgeprägtes Gruppenverhalten und akzeptieren gerne die Führungsrolle ihres Herrchens und Frauchens. Sie sind herzlich gegenüber zwei- und vierbeinigen Familienmitgliedern und zugleich reserviert, aber nicht aggressiv, gegenüber Fremden. Auf der Rennstrecke sind sie ehrgeizige Kämpfer. Der Azawakh ist sehr menschenbezogen, freundlich und anhänglich. Er kommt sehr gut mit Seinesgleichen zurecht. Er ist aufmerksam und sehr intelligent. Er ist ein fantastischer Begleiter, wenn du die Möglichkeit und die Lust hast, ihm regelmäßig Auslauf zu geben und hie und da an einem Rennen oder Coursing teilzunehmen.

Azawakh im RasseportraitHerkunft & Geschichte

Wo kommt der Azawakh ursprünglich her?

Der Azawakh ist ein besonderer Windhund mit einer einzigartigen Geschichte. Er stammt aus der südlichen Sahara und Sahelzone, aus einem riesigen Gebiet der afrikanischen Staaten Mail, Niger, Obervolta. Dort gibt es noch heute ursprünglich lebende Populationen. Leider sind diese durch die politischen Zerrüttungen seit mehr als 10 Jahren durch Ausländer nicht mehr begehbar und es besteht die Gefahr, dass sie in weiten Teilen erloschen sind. Die Azawakh Experten Elisabeth Naumann und Dr. Werner Röder bereisten zuvor vielfach diese Region und dokumentierten das Leben dieser Hunde bei den Nomaden der Tamaschek, Tuareg und Berber. Sie notieren:

Die FCI-Rasse „Azawakh“ ist die hiesige Population der Herden-, Lager- und Jagdwindhunde der Tamaschek-Nomaden im afrikanischen Sahel. Azawakhs gehören zu den wenigen Gebrauchshundrassen, die noch unter ursprünglichen Bedingungen in ihren Entstehungsisolaten auffindbar sind.

Leider ist es in den letzten Jahren kaum einmal gelungen, durch Hunde aus der Ursprungspopulation die Zuchten in Europa aufzufrischen. Zu den politischen Problemen kommt heute noch eine ausufernde EU-Bürokratie, die den Import solcher Hunde faktisch unmöglich macht. So leidet die hiesige Zucht-Population an einem hohen Inzuchtgrad. Es wäre geradezu fatal, den so seltenen Trumpf einer noch vorhandenen Ursprungspopulation nicht auszuspielen. Aber die Chancen stehen derzeit schlecht. Neben seiner Eleganz und Schönheit zeichnen den Azawakh einige Besonderheiten aus. So wurde er auch zur Jagd auf größeres Wild wie zum Beispiel Wildschweine eingesetzt. Dann ist er nicht nur Jagdhund, er ist auch der Wach- und Schutzhund der Nomadenlager. Selbst die Viehherden bewacht er, neben den Dörfern und seinen Einwohnern. Diese Eigenschaften spiegeln sich noch heute im Wesen dieser Windhunde und sind für Experten sogar im Körperbau erkennbar. Selbst in der Genetik kann man diese Funktionsvielfalt nachlesen. So ist der Azawakh recht nah mit Herdenschutzhunden wie dem Anatolischen Hirtenhund und dem Kuvasz verwandt. Er genoss ein sehr hohes Ansehen bei den Nomaden. So nennen ihn die Tuareg-Nomaden „Windhund der Freien“. Sein hiesiger Name wurde aus dem Azawakh-Tal, im Zentrum der Staaten Mali und Niger abgeleitet, einem seiner Hauptverbreitungsgebiete. Die ersten dokumentierten Azawakhs gelangten erst 1968 nach Frankreich und Jugoslawien. 1975 sah man sie erstmals in Deutschland. Am 03.06.1980 erfolgte die endgültige Anerkennung der Rasse durch die FCI. In Deutschland wird er vom Deutschen Windhundzucht- und Rennverbands betreut. Hier fallen immerhin zwischen 20 und 50 Azawakh-Welpen im Jahr.

Beliebte Mixe

Mixe mit Azawakh sind extrem selten.

Pflege, Gesundheit und Krankheiten

Wie viel Pflege braucht ein Azawakh?

Azawakhs sind ausgesprochen genügsam und pflegeleicht. Hie und da Abreiben mit einem feuchten Lederlappen oder einem Noppenhandschuh reicht.

Gibt es beim Azawakh rassetypische Krankheiten?

Azawakhs stellen in der Regel eine robuste Hunderasse dar. Ein Problem der Rasse ist der oft sehr hohe Inzuchtgrad.

Welches Futter ist für einen Azawakh am besten?

Der Azawakh stellt im Grunde keine besonderen Ansprüche an seine Ernährung. Hochwertiges Futter ist wichtig für seine Gesundheit und er schmeckt es auch. Wie die meisten Hunde mag dieser kräftige Windhund auch einen fleischigen Rinderknochen. Der Azawakh eignet sich sehr gut zum Barfen – fachgerecht ausgeführt.

Aktivitäten

Wie viel Bewegung braucht ein Azawakh?

Der Azawakh ist ein Windhund. Das schnelle und ausgiebige freie Laufen ist eine Grundvoraussetzung für ein artgerechtes Leben. In manchen Regionen gibt es deshalb spezielle Anlagen, wo Windhunden ihrem Laufbedürfnis nachkommen können. Entweder er läuft auf der Rennbahn oder beim Coursing hinter einer Kaninchenattrappe oder du machst den Hund mit einer Ballschleuder glücklich. Im Fachhandel werden hier zahlreiche Helfer angeboten. Du hast die Option, dich mit deinem Azawakh in den Rennsport zu begeben. Der Deutsche Windhundzucht- und Rennverband bietet regelmäßig Möglichkeiten, dass diese Hunde etwa beim Coursing oder bei Bahnrennen ihr ausgeprägtes Bedürfnis nach schnellem Laufen ausleben können. Hier kannst du dann auch Gleichgesinnte treffen. Für die Aktiven dieser Szene gibt es kein schöneres Hobby. Es ist eine besondere Einheit von Mensch und Hund und zudem eine sehr, sehr alte.

Überlegungen vor der Anschaffung

Wo kann man einen Azawakh kaufen?

Willst du dein Leben mit einem Azawakh teilen, solltest du zunächst prüfen, ob du die Möglichkeit hast, diesen kräftigen Windhund regelmäßig laufen zu lassen. Hierzu kannst du dich von den Fachleuten des Deutschen Windhundzucht- und Rennverband beraten lassen und langfristig mit Züchtern dieses Verbandes Kontakt aufnehmen. Einen Welpen solltest du nur bei einem Züchter kaufen, der diesem Verband oder vergleichbaren in anderen Ländern angeschlossen ist. Du solltest darauf achten, dass keine Inzestzucht vorliegt und zum Beispiel keine Wurfgeschwister im Pedigree auftauchen.

Erziehung und Haltung

Passt ein Azawakh zu mir?

Grundsätzlich ist der Azawakh gut zu halten. Das setzt aber zwingend voraus, dass er regelmäßig die Gelegenheit erhält, seinem Element nachgehen zu können, dem Laufen. In unserer gegenüber Hunden restriktiven Gesellschaft gibt es kaum Möglichkeiten, einen Hund ohne Leine frei laufen zu lassen. Im Abschnitt „Aktivitäten“ haben wir kurz beschrieben, was dieser Hund braucht. Mit einem solch glücklichen Hund kann man dann beruhigt und ruhig nach Hause gehen. Er fühlt sich dann in der kleinsten Hütte wohl und ist hier ein äußerst angenehmes Mitglied der Familie. Er ist ein guter Freund der Kinder. Er ist kaum aggressiv und lässt sich – etwas Eingewöhnung vorausgesetzt – gut mit anderen Haustieren halten. Es sollten nur nicht unbedingt Kaninchen oder Meerschweinchen sein, die er genetisch als seine Beute verinnerlicht hat. Ein Azawakh lässt sich sehr gut erziehen. Zur hundgerechten Beschäftigung und körperlichen Auslastung bieten Windhundevereine die Möglichkeit, an Windhundrennen oder Coursings teilzunehmen (siehe Aktivitäten). Das solltest du wahrnehmen. Zu solchen Treffen nimmst du ihn am besten in einer ausreichend dimensionierten, professionellen Transportbox mit. Bei seiner Erziehung solltest du immer seine jagdliche Motivation im Hinterkopf haben. Der Azawakh ist im besten Sinne ein anspruchsloser Hund, den man aber auch sehr verwöhnen kann. Er ist ein toller Begleithund – aber nur unter den genannten Voraussetzungen.

Interessantes, Wissenswertes & Extras

Windhunde wie der Azawakh sind ausgesprochen elegante Erscheinungen. Sie sind schnelle Jäger, die eine Kraft entfalten können, die viele ihm nicht zutrauen. Sie brauchen unbedingt und regelmäßig die Möglichkeit, frei und weit zu laufen. Zugleich sind sie intelligente und anschmiegsame Mitglieder der Familie und tolle Partner. Im Azawakh lebt wie in keinen Hund sonst der Windhund und Herdenschutzhund zugleich. Er ist eine der wenigen Hunderassen, bei der noch eine Ursprungspopulation vorhanden ist. Wer allerdings Repräsentationsobjekte sucht, sollte sich im Autohaus oder beim Juwelier umschauen.


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


Hilf uns, unseren Service weiter zu verbessern. War dieser Artikel hilfreich für dich?

Kommentare, Fragen und Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.