Australische Gespenstschrecke – nichts zum Fürchten

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Australische GespenstschreckeExtatosoma tiaratum, die Australische Gespenstschrecke, zählt wohl zu den am häufigsten in Terrarien gehaltenen Insekten überhaupt. Vermutlich ist sie eine Gespenstschrecke der ersten Stunde, die in Deutschland erfolgreich vermehrt wurde. Das bizarre Äußere und die einfachen Haltungsbedingungen machen sie zu einem sowohl faszinierenden als auch dankbaren Pflegling, der einem viel Freude bereiten kann.

Zur Taxonomie

Extatosoma tiaratum gehört zur Ordnung der Phasmiden (Phasmatodea), also den Gespenstschrecken.
Zu dieser Gruppe zählen auch die Wandelnden Blätter (Phylliidae) und die Stabschrecken. Die Australische Gespenstschrecke ist eine „echte Gespenstschrecke“ (Phasmatidae), die in den Tropen und Subtropen Australiens beheimatet ist. Wie alle Gespenstschrecken ist die Australische Gespenstschrecke ein reiner Pflanzenfresser, der sich von Blättern ernährt. Man bezeichnet diese Art der Ernährung als phytophag.

Zur Tarnung

Ähnlich wie die Wandelnden Blätter ahmt Extatosoma tiaratum Form und Aussehen von Blättern nach. Bei der Australischen Gespenstschrecken wirken diese aber eher welk. Von der Färbung her reichen die Vorkommen von Grün bis Braun, wobei auch gräuliche Formen gefunden wurden. Diese Farbvarianten lassen sich von Flechten kaum unterscheiden. Die Wissenschaft hat bislang noch nicht eindeutig geklärt, ob es sich hierbei um eine genetische Determination handelt oder ob Umwelteinflüsse für die veränderte Farbgebung verantwortlich sind. Die Ergebnisse bleiben abzuwarten.
Aber nicht nur erwachsene Tiere sind getarnt, auch frisch geschlüpfte Nymphen sind ebenfalls durch Tarnung geschützt. Allerdings ahmen die Jungtiere nicht Blätter nach, sondern Ameisen: Die Australische Feuerameise hält die Eier der Australischen Gespenstschrecke für nahrhafte Samen und transportiert sie ins Nest. Die hartschaligen Eier können aber nicht verzehrt werden und nach dem Schlupf verlassen die Gespenstschrecken als junge Nymphen, die den Ameisen äußerlich extrem ähneln, gut getarnt den Bau, um auf umliegenden Bäumen und Sträuchern aufzusteigen und dort Nahrung zu sich zu nehmen.
Beide Tarnformen bieten einen ausgesprochen guten und erfolgreichen Schutz vor Fressfeinden, wobei von denen so zahlreiche existieren, dass das Leben für eine Australische Gespenstschrecke vermutlich trotzdem kein „Zuckerschlecken“ ist.

Gespenstschrecke

Zur Biologie

Die Australische Gespenstschrecke kann, wie die meisten Gespenstschrecken, bei Gefahr Gliedmaßen abwerfen, um sich selbst zu schützen. Im Larvalstadium wachsen diese auch noch begrenzt nach, lassen sich also zu einem gewissen Grad regenerieren. Wie manche Wandelnde Blätter ist Extatosoma tiaratum zur Jungfernzeugung (Parthenogenese) fähig, das Weibchen kann jungfräulich Nachwuchs zeugen, ohne auf ein Männchen angewiesen zu sein.

Zur Ernährung

Extatosoma tiaratum frisst in ihrer australischen Heimat hauptsächlich Eukalyptus (Was sonst?!), wobei gesagt werden muss, dass es bei den Eukalypten, den Blaugummibäumen, über 600 verschiedene Arten gibt! In unseren Breiten lassen sich die Tiere gerne mit dem Laub von Rosengewächsen, wie z. B.: Brombeere, Himbeere, Heckenrose etc. füttern. Aber auch die Blätter von Eiche, Buche oder Weißdorn werden verspeist.

Zur Entwicklung

Die Entwicklung der Eier ist temperaturabhängig und kann bis zu einem halben Jahr dauern. Die Larvalentwicklung dauert bis zur Imago, dem erwachsenen Tier, in Abhängigkeit von Temperatur und Nahrungsangebot, ebenfalls ungefähr ein halbes Jahr. Männliche Tiere leben als Imago ungefähr drei bis fünf Monate. Weibliche Tiere werden bis zu einem Jahr alt und legen in der Zeit zahlreiche Eier, sodass für ausreichend Nachwuchs gesorgt ist.

Zum Geschlechtsdimorphismus

Wie bei anderen Gespenstschrecken auch unterscheiden sich bei Extatosoma tiaratum, männliche und weibliche Tiere deutlich voneinander. Die flugfähigen Männchen sind etwas schlanker als die flugunfähigen Weibchen, die nur über Stummelflügel verfügen. Die Weibchen zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihr voluminöses Abdomen (als Abdomen bezeichnet man den “Hinterleib” von Insekten) wie einen Skorpionstachel gekrümmt tragen. Auch haben die Weibchen am Außenskelett stachelartige Auswüchse, die bei Männchen fehlen. Auch die Körpergröße kann einen Hinweis geben: Männchen bleiben mit knapp 10cm etwas kleiner als die Weibchen, die bis zu 14 cm groß werden.

Zur Haltung

Die Haltungsbedingungen von Extatosoma tiaratum ähneln derer zahlreicher anderer Phasmiden.
Als Terrarium eignen sich Raupenkästen, Glasterrarien und übergangsweise auch Plastikterrarien. Du musst in jedem Fall auf eine gute Belüftung achten und Staunässe verhindern. Der Boden kann mit Torf bedeckt sein oder aber auch mit trockenem, anorganischen Substrat (z. B. Vermiculit, Kiesel). Alternativ kann auch die Auslage mit Küchenpapier sinnvoll sein, da so Eier besser aufgesammelt werden können. Der Arbeitsaufwand bei bedecktem Boden ist allerdings deutlich geringer als beim wöchentlichen Wechsel der Küchenrolle. Gelegentlich muss der organische oder anorganische Belag trotzdem ausgetauscht werden, da die Exkremente der Tiere ansonsten unansehnliche und unhygienische Ausmaße annehmen. Dabei solltest du darauf achten, Eier nicht unnötig zu entsorgen. Die Größe des Terrariums solltest du nicht zu gering wählen. Für ein erwachsenes Pärchen sollte die Mindestgröße 30 cm x 50 cm x 40 cm (BHT) betragen, bei einer größeren Anzahl an Pfleglingen entsprechend mehr. Die abgeschnittenen Zweige der Futterpflanzen werden einfach in einem Gefäß im Terrarium platziert und regelmäßig ausgetauscht. Faulendes Laub und modriges Gehölz solltest du wegen Krankheitsrisiko verhindern. Die Temperatur im Terrarium sollte auf jeden Fall über 20 °C liegen (etwa 20-25 °C), niemals aber über 30 °C. In vielen Wohnräumen lässt sich die optimale Innentemperatur des Terrariums durch die normale Zimmertemperatur erreichen. Die Luftfeuchtigkeit sollte ca. 60 bis 80 % betragen. Staunässe ist aus gesundheitlichen Gründen zu verhindern (Achte auf eine ausreichende Luftzirkulation!). Zur Kontrolle von Temperatur und Luftfeuchtigkeit solltest du auf jeden Fall mindestens ein Thermometer und ein Hygrometer im Terrarium anbringen.

Fazit

Die Haltung und Pflege der Australischen Gespenstschrecke gelingt in der Regel problemlos. Man sollte allerdings darauf achten, dass man seinen Zuchtstamm (der sich unweigerlich ergeben wird, sofern man für vernünftige Haltungsbedingungen sorgt …) immer wieder auffrischt mit fremden Tieren, um der Inzucht und den damit verbundenen Nachteilen vorzubeugen.


Michael Freund ist hauptberuflich Lehrer an einer bayerischen Mittelschule mit einem Faible für die belebte Natur. In seinem Studium absolvierte er Biologie als Didaktikfach. Nebenbei engagiert er sich als Autor für diverse Zeitschriften und ist tatkräftiges Mitglied in verschiedenen Vereinen, unter anderem bei den „Sukkulentenfreunden Passau“.


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