Schapendoes im Rasseportrait

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Schapendoes

Schapendoes

Hütehunde
Herkunft Niederlande Lebenserwartung 12 und mehr Jahre
FCI-Standard FCI Gruppe 1: Hütehunde und Treibhunde Funktion Hütehunde
Größe Kleine Hunderassen Häufige Krankheiten keine
Gewicht unbekannt Felllänge lang
Charakter/Wesen aufmerksam, mutig, wachsam, fröhlich, gutmütig, treu, intelligent Fellfarbe verschieden
Besonderheiten

keine

Herkunft und Rassegeschichte

Der Schapendoes ist Nachkomme einer uralten Schäferhunderasse der Niederlande. In den Heidegebieten unweit von Amsterdam hielt er sich bis in die 1940er Jahre weitgehend unbeachtet von der Hundewelt – ein seltener Schatz. Im Herzen Europas hatten sich nur wenige ursprüngliche Schäferhunde vom Typ der Schafpudel erhalten. Schafpudel sind eher kleine, zotthaarige Hirtenhunde für die Schäferei, die sehr schnell und wendig sind. Sie sind sehr genügsam und pflegeleicht. Dabei sind sie intelligent, arbeitsam und robust. Solche Schäferhunde waren einst in ganz Europa weit verbreitet. Dann wurden sie durch das Aufkommen der modernen Schäferhunde wie dem Deutschen oder Belgischen und den Rückgang der Wanderschäferei weitgehend verdrängt. Hie und da sieht man sie noch professionell arbeitend unter den Altdeutschen Hütehunden, etwa Schläge wie den Schafpudel oder Strobel. Ansonsten sieht man deren Nachfolger als Rassehund wie den Bearded Collie, Bergamasker, Pumi oder polnischen Nizinny (PON).

Die beiden Kynologen Toepoel und Jungeling erkannten die Bedeutung des Schapendoes. 1947 wurde die „Vereniging de Nederlandse Schapendoes” ins Leben gerufen, die noch heute für diese Hunderasse weltweit verantwortlich ist. 1952 erfolgte die vorläufige Anerkennung durch den niederländischen Hundezuchtverband „Raad van Beheer“. 1954 wurde der Standard festgesetzt und die Führung eines Stammbuches begonnen. Schließlich wurde er 1991 offiziell von der Fédération Cynologique Internationale anerkannt. Der Nederlandse Schapendoes ist durch die über Jahrhunderte andauernde strenge Auswahl nach seinen Eigenschaften und der Leistung in der Hütearbeit entstanden. Er sollte nach dem Willen seiner „Retter“ kein Mode- oder Ausstellungshund werden.

Das ist im großen Ganzen gelungen, wenn auch sein Fell heute allzu üppig erscheint und die Hunde im freien Sehen behindern kann. Das kann durchaus eine ernste Einschränkung für die Lebensqualität dieser agilen Hunde sein. Der Schapendoes ist heute ein spannender und faszinierender Begleit- und Familienhund geworden. Er hat noch ein gutes Stück seiner Leistungsfähigkeit erhalten, was sich in Bewegungsdrang und Arbeitsfreude ausdrückt. Genauso gut meistert er heute seine Rolle in der menschlichen Familie. Die Rasse wird in Deutschland von der Interessengemeinschaft Schapendoes e.V. betreut. Jedes Jahr werden etwa 100 Welpen geworfen.

Beschreibung

Der Niederländische Schapendoes ist ein kleiner bis mittelgroßer Hund, der sofort durch sein üppiges Haarkleid ins Auge sticht. Darunter verbirgt sich aber ein leicht gebauter Hund, der sich ebenso leichtfüßig bewegt. Er soll ein bemerkenswerter Springer sein. Zu seinem Haarkleid bestimmt der Standard:

Der Schapendoes hat ein dichtes Haarkleid mit genügend Unterhaar. Die Haare sind lang, gut 7 cm oder mehr im Bereich der Hinterhand. Sie sind nicht glatt, sondern leicht gewellt. Ausgesprochenes Kraushaar ist nicht zulässig. Die Haare wachsen dicht aneinander, sie sind dünn und trocken, vor allem aber nicht seidig. Das Haarkleid hat die Neigung, da, wo es lang ist, in Büscheln abzustehen, wodurch der Schapendoes, besonders hinten, einen großen Umfang kriegt. Der Schapendoes hat einen mächtigen Haarschopf, Schnauz und Bart.

Die letzte Bestimmung des Standards muss man kritisch sehen; denn in der Praxis zeigt sich der Haarschopf des Schapendoes nicht selten so extrem üppig, dass die Hunde im Sehen behindert werden, was dem Wohl der Hunde entgegensteht. Alle Fellfarben sind zulässig. Bevorzugt wird aber blaugrau bis schwarz. Rüden sollen eine Widerristhöhe von 43 bis 50 Zentimetern vorweisen, Hündinnen von 40 bis 47. Zum Gewicht macht der Standard keine Angaben.

Charakter und Wesen

Schapendoes im Rasseportrait

Der Schapendoes ist im Kern seines Wesens immer noch ein agiler Hirtenhund. Er wird aber schon lange nur noch als Begleithund gezüchtet. Das ist kein Nachteil. Denn so findet er sich bestens in seine heutige Rolle als Familienhund und Begleiter ein. Doch ist er immer noch ein Energiebündel und braucht seine Auslastung. Die meisten Schapendoes könnten wohl noch ihrer alten Hütearbeit nachgehen, wenn es darauf ankäme.

Der offizielle Standard beschreibt sein Wesen: „Der Schapendoes ist ein normal und harmonisch gebauter Hirtenhund mit einem aufmerksamen und mutigen Charakter. Er ist intelligent, wachsam, fröhlich, lebhaft, freundlich und temperamentvoll. Gegenüber vertrauten Menschen entwickelt er große Zuneigung und Treue.“ Der zotthaarige Hütepudel aus den niederländischen Heidegebieten hat nach wie vor das Wesen eines hochintelligenten, wendigen Arbeitshundes. Und so soll es auch sein. Sein großer Arbeitswille, sein Hang zum selbständigen Arbeiten machen ein großes Stück seines besonderen Charmes aus. Zugleich ist er seinen Menschen äußerst innig verbunden und hat das Potenzial zu einem großen Partner und treuen Freund – wenn der Mensch es nur zulässt.

Haltung

Der Schapendoes ist ein sanfter und zugleich temperamentvoller Hund. Er will die Einbindung in die Familie und kann sich in diese auch anstandslos einordnen, fachkundige Erziehung vorausgesetzt. Ideal ist ein Haus mit großem Garten auf dem Land. Das ist aber kein Muss. Er kann auch in einer Wohnung in der Stadt gehalten werden, vorausgesetzt er bekommt täglich ausreichende Beschäftigung. Der Schapendoes ist ein liebevolles Mitglied der Familie und toller Partner für Kinder.

Hat er zuviel Langeweile, kann er jedoch auch mal seine Energie am Mobiliar auspowern oder er wird zum Kläffer. Die Rasse macht sich sehr gut im Hundesport wie Agility. Mit einem Schapendoes kann man problemlos auf Reisen gehen. Er benimmt sich vorbildlich im Restaurant oder Hotel. Der Hütehund braucht etwas Fellpflege. Das war es schon. Viel wichtiger ist es, dass Mensch wie Hund gemeinsames Interesse an viel Bewegung, Erkundungen oder zum Beispiel Hundesport haben. Der Schapendoes ist kein Couch-Potatoe.

Erziehung

Der Schapendoes lässt sich ausgesprochen gut erziehen. Er ist offen und ehrlich und arbeitet gerne mit Herrchen und Frauchen zusammen. Die Kunst liegt darin, das richtige Maß an Konsequenz und Führung für diesen sehr temperamentvollen und zugleich feinfühligen, intelligenten Hund zu finden. Die entscheidende Grundlage dafür ist immer eine enge emotionale und vertrauensvolle gegenseitige Bindung. Für sein gutes Benehmen – was er locker kann – ist eine gewisse Auslastung Grundvoraussetzung. Denn ein unterforderter und so frustrierter Schapendoes wird sich bestimmt nicht als folgsamer Begleiter bedanken. Aber das liegt alleine in der Macht seines Herrchens oder Frauchens.

Pflege und Gesundheit

Ein Schapendoes braucht trotz seiner üppigen Haarpracht keine aufwändige Fellpflege. Einmal Durchbürsten pro Woche sollte reichen.

Rassetypische Krankheiten

Der Schapendoes ist im Kern eine gesunde, langlebige Hunderasse. Verschiedene Erbkrankheiten werden jedoch von der Interessengemeinschaft Schapendoes benannt und züchterisch bekämpft. Aus Tierschutzgründen solltest du darauf achten, dass der Fellwuchs am Kopf nicht das freie Sehen behindert.

Ernährung

Ein Schapendoes ist ein problemloser Kostgänger. 

Lebenserwartung

Ein gesund gezüchteter Schapendoes sollte eine Lebenserwartung von etwa 12 Jahren und mehr haben.

Schapendoes kaufen

Wenn du dich für die Rasse interessierst, solltest du dich bei einem Züchter vor Ort umschauen, der der Interessengemeinschaft Schapendoes e.V. oder dessen niederländischem Schwesterverein, der Vereniging de Nederlandse Schapendoes angeschlossen ist. Ein Welpe aus seriöser Zucht kostet ca. 1.200 Euro.

 


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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