Leichenspürhund

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Leichenspürhund

Ein Hund mit einem wirklich außergewöhnlichen Job ist der Leichenspürhund. Er unterstützt uns Menschen mit seinem feinen Geruchssinn an Land und zu Wasser. Auch wenn die Hunde nicht mehr bei der Rettung eines Menschen helfen können, so tragen sie zu der Aufklärung von Vermisstenfällen bei und ermöglichen es den Angehörigen, Gewissheit zu erlangen und Abschied nehmen zu können.

Seine Aufgabe

Wird der Leichenspürhund eingesetzt, so geht diesem ein meist tragisches Unglück voraus, denn die Einsatzkräfte gehen zunächst von dem Fund einer Leiche aus. Wird diese beispielsweise in einem Waldstück vermutet, so würde ein Suchtrupp Tage oder sogar Wochen brauchen, um das riesige Gebiet lückenlos abzusuchen. Außerdem können sie dabei nur das für das Auge Sichtbare berücksichtigen. Ist der leblose Körper aber von Laub, Gestrüpp oder Erde bedeckt, kann dieser schnell übersehen werden. Effizienter sucht der ausgebildete Leichenspürhund. Er macht sich gezielt auf die Suche nach dem Geruch einer Leiche.

Leichenspürhund im Einsatz

Macht sich der Spürhund an die Arbeit, so bleibt dem Team nur ein bestimmtes Zeitfenster, denn die Nasenarbeit, vor allem im freien Gelände, ist für den Vierbeiner wahnsinnig anstrengend. Daher werden immer gleich mehrere Hunde mitgenommen, die sich ablösen, sobald der vorige Hund an seine Belastungsgrenze stößt.
Aber auch in verhältnismäßig kleineren Gebieten, wie geschlossenen Räumen bzw. generell in Gebäuden, kommen die Hunde zum Einsatz und erschnüffeln Leichen oder Blutspuren hinter Wänden oder nach einer vermeintlich gründlichen Säuberung des Raums. Die feinen Geruchspartikel sind für die Hundenase immer noch wahrnehmbar.

Die Ausbildung

Die angehenden Spürhunde lassen sich durch Spiel oder Futter motivieren. Dadurch arbeiten sie gerne und hochmotiviert mit, da sie ihre Aufgabe weniger als Arbeit, sondern vorrangig als Spiel betrachten. Während der Ausbildung lernen die jungen Hunde den Geruch einer Leiche kennen. Dieser wird in einem kleinen Röhrchen versteckt und soll von den Tieren wahrgenommen und gemeldet werden. In das Röhrchen kommt meist etwas Stoff der Kleidung einer Leiche, welchem der spezielle Verwesungsgeruch anhaftet. Für die Hundenase reichen diese geringen Geruchspartikel aus. Für die menschliche Nase wären diese hingegen kaum zu bemerken.
Findet der auszubildende Hund das Ziel und schlägt an, so wird er individuell von seinem Hundeführer/seiner Hundeführerin belohnt. Das kann sein Lieblingsspielzeug sein oder seine Lieblingsleckerei.

Der Vierbeiner sollte aber nicht nur erfolgreich suchen können, sondern auch freundlich und belastbar sein. Er arbeitet später eng mit Menschen und weiteren Hunden zusammen und wird an den unterschiedlichsten Orten eingesetzt. Daher darf er sich nicht durch verschiedene Umweltreize, wie laute Geräusche oder unbekannte, fremde Gerüche oder auch wacklige, unebene Untergründe verunsichern lassen. Der professionelle Spürhund ist selbstsicher, souverän und von „cooler“, ausgeglichener Natur.

Die Rasse spielt bei der Wahl des Spürhundes keine große Rolle. Wichtiger sind die Eigenschaften, die der Vierbeiner mitbringen muss. Tatsächlich ist aber wahr, dass ein Hund mit längerer Schnauze, wie zum Beispiel ein Schäferhund, mehr Geruchszellen besitzt, als einer mit kurzer Schnauze, wie etwa eine Bulldogge oder ein Mops. Daher werden für diesen wichtigen Job vor allem mittelgroße Hunde mit einer langen Schnauze ausgewählt. Der Leichenspürhund sollte nicht sehr klein sein, damit er selbstständig alle nötigen Bereiche absuchen kann, aber nicht zu groß, um problemlos mitgenommen und im Zweifel auch mal kurz getragen werden zu können.

Auch wenn der Job des Leichenspürhundes von großer Bedeutung ist, gibt es in Deutschland bislang nicht sehr viele professionell ausgebildete Tiere. Anhand des Falls „Maddy“, welcher den meisten durch die große Medienpräsenz bekannt ist, ist erkennbar, welchen Einfluss die Spürhunde auf die Ermittlungen haben können. Hier wurden zwei Suchhunde, die Spaniel „Eddie“ und „Keela“, eingesetzt, welche in einem Hotelzimmer, dem Mietauto der Eltern des vermissten Mädchens, sowie in der Tiefgarage anschlugen. Damit erhielten die Ermittler neue Erkenntnisse und konnten einer neuen Spur nachgehen.


KristinaKristina Ziemer-Falke ist zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensberaterin durch die Tierärztekammer Schleswig-Holstein und das Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Darüber hinaus verfügt sie über viele Zusatzausbildungen und Schwerpunkte und ist im Prüfungsausschuss der Tierärztekammer Niedersachsen für die Hundetrainerzertifizierungen.
Mit ihrem Mann Jörg Ziemer gründete sie das Schulungszentrum Ziemer & Falke, in dem sie seit vielen Jahren mit viel Herz, Leidenschaft und Kompetenz Hundetrainer in ganz Deutschland ausbilden und viele Weiterbildungsangebote anbieten. Viele kennen Kristina außerdem als erfolgreiche Autorin von Fachbüchern für Hundetrainer und Hundehalter sowie aus Artikeln beliebter Hundezeitschriften.


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