Der große Sattelcheck: Passt mein Sattel noch?

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Eines der wichtigsten Themen für dich als Reiter ist der passende Sattel für dein Pferd. Er ist nicht nur ein wichtiges Verbindungsstück zwischen dir und deinem Pferd, wenn er nicht passt, kann er auch wirklich für Probleme sorgen.

Probleme?

Wenn dein Pferd den Rücken beim Putzen weggdrückt oder beim Satteln die Ohren anlegt, kann dies ein Hinweis auf einen unpassenden Sattel sein. Bei manchen Pferden sieht man auch, dass die Muskulatur durch einen zu engen Sattel beeinträchtigt wird: Die Muskulatur schwindet dann, das Pferd kann richtige Kuhlen in der Rückenmuskulatur bekommen.
Aber auch Knirschen mit den Zähnen beim Satteln oder Reiten oder Lahmheiten können auf einen unpassenden Sattel hinweisen. Wenn dein Pferd nicht locker über den Rücken schwingt oder im Galopp nicht richtig von hinten nach vorne durchgreift, dann kann es sein, dass der Sattel drückt. Diese Hinweise sind immer ein Grund, den Sattel zu überprüfen – auch wenn der letzte Sattelcheck vielleicht nicht lange her ist. Der Pferderücken verändert sich bei vermehrtem Training, Weidegang oder Wachstum wirklich schnell!

Gesundheitliche Folgen

Ein passender Sattel ist nicht nur wichtig, damit deine Sitzhilfen richtig von deinem Pferd verstanden werden können, er ist auch Grundvoraussetzung für die Gesundhaltung deines Pferdes! Ein unpassender Sattel kann zu Rückenschmerzen führen und dein Pferd damit unreitbar machen.

Der Sattelcheck

Es gibt ein paar Punkte, an denen du erkennen kann, ob dein Sattel prinzipiell noch passt.

Dafür legst du deinen Sattel ohne Satteldecke auf dein Pferd. Lege ihn wirklich so auf, wie du ihn auch angurten würdest. Nun kannst du mit der Hand unter den Sattelkissen, also zwischen der Auflagefläche des Sattels und deinem Pferd hindurchfassen: Lasse deine Hand vorsichtig über den Pferderücken gleiten und prüfe, ob der Druck des Sattels gleichmäßig ist. Manchmal kommt es nämlich vor, dass der Sattel beispielsweise nur vorne und hinten aufliegst, dazwischen sozusagen eine Brücke bildet. Das darf natürlich nicht sein und zeigt, dass der Sattel nicht passt.

Nun fasse auch einmal vorne an der Sattelkante entlang: Stößt der Sattel dort an das Schulterblatt deines Pferdes oder kann die Schulter sich frei bewegen? Hier gibt es natürlich Unterschiede zwischen englischen und Westernsätteln. Der englische Sattel liegt normalerweise hinter der Schulter, der Western- oder auch manch ein Wanderreitsattel liegt teilweise auch über der Schulter. Dort ist er dann aber so weit geschnitten, dass das Schulterblatt des Pferdes trotzdem frei beweglich bleibt. Prüfe doch ruhig einmal, wie sich die Schulter deines Pferdes bewegt, wenn du ein Vorderbein nach vorne streckst. Kannst du die Rotation des Schulterblattes erkennen? Dann siehst du, wie viel Platz so eine Pferdeschulter vor oder unter dem Sattel braucht. Wenn du nun das Vorderbein nach vorne bewegst während der Sattel deines Pferdes aufliegt, siehst du, ob es seine Schulter frei bewegen kann. Teste dies auch mit angegurtetem Sattel.

Als nächstes prüfst du, ob die Wirbelsäule deines Pferdes ausreichend frei bleibt. Kannst du von vorne bis hinten unter dem Sattel hindurchschauen? Der Sattel darf wirklich niemals auf die empfindlichen Dornfortsätze des Wirbelsäule drücken. Wenn der Sattel hier aufliegt ist er so wenig passend, dass du ihn wirklich keinesfalls verwenden darfst.

Zuletzt blicke einmal von hinten auf die Sattelkissen ¬ oder bei Westernsätteln auf den Schwung des Sattels. Passt der Winkel zum Winkel des Pferderückens? Ein zu steiler Sattel kann sich hier empfindlich in die Muskulatur deines Pferdes drücken!

Dies sind natürlich nur Hinweise, nach denen du selbst gucken kannst, bitte im Zweifel immer einen Profi hinzu.

Der Profi

Wenn du den Verdacht hast, dass dein Sattel nicht passt oder du unsicher bist, ob noch alles in Ordnung ist, dann bitte deinen Trainer oder deine Trainerin auch mal einen Blick auf den Sattel zu werden. Auch ein Physiotherapeut oder ein Osteopath können beim Sattelcheck gut helfen. Wenn dein Sattel nicht ideal liegt, dann brauchst du immer einen Sattler. Ein zusätzliches Pad oder eine dickere Decke lösen das Problem in der Regel nicht, ein passender Sattel braucht keine dicken Polster! Schau nach einem ausgebildeten Reitsportsattler, der den Sattel für dich und dein Pferd wieder richtig anpasst.


Silke Behling

©Ricarda Wowries

Silke Behling ist selbstständige Redakteurin und arbeitet sowohl im Buch- als auch im Zeitschriftenbereich. Ihre Veröffentlichungen reichen von Fachbüchern bis zu Zeitschriftenartikeln. Als Diplom-Pädagogin liegt ihr der Bereich Bildung und Kinder besonders am Herzen, weshalb sie seit vielen Jahren für das Kindermagazin „Piaffino“ schreibt. Zudem bietet sie als ausgebildete Pferde-Physiotherapeutin (DIPO) Akupunktur und Physiotherapie für Pferde und Hunde im Raum Osnabrück an. Ihre Freizeit genießt sie mit ihrem inzwischen 24-jährigen Vollblutaraber El Santee, mit dem sie beim Distanzreiten früher Wettkämpfe bis zu 120 Kilometern bestritten hat, und ihren beiden Hunden Lotta und Easy.


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