Pferd sicher führen

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Pferd sicher führen. Pferde werden regelmäßig von einem Ort zum anderen geführt: Von der Box auf die Weide und zurück, aber auch in die Reithalle, auf den Anhänger oder an einer gefährlichen Stelle im Gelände vorbei. Damit das alles problemlos funktioniert, sollte das Pferd „halfterführig“ sein. Das bedeutet, dass es sich leicht und vertrauensvoll führen lässt.

Die richtige Ausrüstung

Wenn du dein Pferd sicher führen willst, musst du ein paar Dinge beachten:

  • Trage immer festes Schuhwerk und benutze nach Möglichkeit Handschuhe. Sie verhindern, dass du an der Hand schmerzhafte Verbrennungen erleidest, falls sich dein Pferd erschreckt und dir dabei den Strick durch die Hand zieht.
  • Für dein Pferd gelten Sicherheitsregeln: Schließe das Halfter immer richtig. Ein durch die Gegend baumelnder Kehlriemen mit seinem Haken kann dein Pferd ernsthaft verletzen, wenn dieser an seinen Kopf schlägt oder er damit hängen bleibt. Ein längerer Strick hat den Vorteil, dass du ihn auch zum Schicken und Treiben des Pferdes benutzen kannst. Bewährt haben sich dabei Längen zwischen drei und vier Metern – probiere aus, womit du am besten zurecht kommst.
  • Richtiges Führen musst du üben. Dein Pferd weiß sonst nicht, was du von ihm erwartest. Such dir zum Üben gern erstmal eine ruhige Stunde auf dem Reitplatz oder in der Reithalle aus. Du musst ja nicht gleich im dicksten Trubel beginnen oder an der Straße entlang laufen.
  • Hilfreich ist auch eine längere Gerte, mit der du deinem Pferd den Weg zeigst, es etwas beschleunigen oder stoppen kannst.

Los gehts!

  • Stell dich zuerst links neben dein Pferd. So stehst du vor seiner Schulter und ihr schaut beide in die gleiche Richtung.
  • Zum Losgehen gibst du ein Kommando: „Komm“ oder „Los“ eignet sich gut. Achte darauf, dass du dich aufrichtest, damit deine Körpersprache dem Pferd ebenfalls signalisiert: „Jetzt geht es los!“ Denk dabei daran, dass sich Pferde untereinander durch sehr feine Gesten verständigen. Pferde achten umso mehr auf die Körpersprache, weil ihre Kommunikation meist lautlos ist. Je feiner deine Verständigung mit deinem Pferd wird, desto weniger gesprochene Sprache wirst du irgendwann brauchen. Zum Üben sind klare Worte sehr hilfreich. Richte dich also auf, gib dein Kommandowort und geh los.
  • Sollte dein Pferd jetzt zögern und nicht fleißig neben dir herschreiten, kannst du das linke Ende deines Strickes nach hinten schwingen, um es nach vorne zu schicken. Wenn du eine Gerte dabei hast, kannst du mit ihr auf der linken Seite hinter dich zeigen, also quasi die Hinterhand deines Pferdes nach vorne schicken.
  • Schreitet dein Pferd ruhig und fleißig neben dir her, so hältst du das linke Strickende entspannt in der linken Hand.  Deine Gerte zeigt nach unten. Dein Pferd sollte fleißig mit dir auf Höhe deiner Schulter gehen und dieser auch in Wendungen folgen.
  • Niemals darfst du dir den Strick um die Hand wickeln! Das ist viel zu gefährlich.

Und Halt!

  • Zum Anhalten unterstützt dich deine Körpersprache. Denk beim Halten daran, dass dein Pferd dein Kommando erst verstehen und dann umsetzen muss – gib ihm also einen Moment Zeit, bis es steht. Im Gehen richtest du dich also erst einmal wieder auf, sodass dein Pferd aufmerksam wird, dann gibst du das Kommando: „Und … Halt!“ Das „Und“ sorgt noch einmal für Aufmerksamkeit, dein „Halt“ wirkt bremsend und beruhigend – unterstützt durch dein eigenes Anhalten mit nach hinten verlagertem Schwerpunkt. Ein aufmerksames Pferd wird nun stehen.
  • Wenn dein Pferd dich aber noch nicht richtig versteht, kannst du den linken Arm heben und die Gerte deutlich waagerecht vor dein Pferd halten. Diese optische Bremse versteht eigentlich jedes Pferd. Sollte es versuchen, durch dieses optische Signal hindurchzulaufen, dann kann deine Gerte etwas auf- und ab wedeln. Dabei geht es nicht darum, dass Pferd zu schlagen oder zu strafen, sondern darum ihm zu zeigen: Hier geht es für dich nicht weiter.
  • Hierbei ist eine Bande in einer Reithalle oder auf einem Reitplatz hilfreich – dann kann das Pferd nicht mit dem Hinterteil zur Seite ausweichen, sondern muss gerade neben dir stehen.
  • Wenn das Pferd ruhig steht, solltest du es loben und kannst dann wieder losgehen.

Ein Pferd hat zwei Seiten

  • Fleißiges Losgehen, ruhiges Stehen und wieder Antreten kannst du öfter üben, bis dein Pferd dich zuverlässig verstanden hat.
  • Nun kannst du auf die andere Pferdeseite gehen und das Gehen und Anhalten auch auf der anderen Seite üben. Klassisch wird zwar von der linken Seite aus geführt, doch nur ein Pferd, das sich von beiden Seiten führen lässt, kann im Gelände sicher an Gefahrenstellen vorbeigeführt werden.
  • Den Wechsel zwischen der rechten und der linken Seite kannst du natürlich im Stehen machen.
  • Eleganter ist ein Handwechsel aus der Bewegung. Du gehst also beispielsweise links neben dem Pferd, dann wendest du nach links ab.  Dein Pferd sollte deiner Schulter folgen. Nun drehst du dich nach links und gehst ein paar Schritte rückwärts, sodass dein Pferd dir folgt. Dann wechselst du das Strickende und/oder die Gerte in die andere Hand, drehst dich wieder zum Geradeausgehen und schickst das Pferd auf die andere Seite rüber, sodass es nun auf deiner linken Seite ist. Du hast nun die Hand gewechselt und das Pferd herumgeschickt. Das hört sich komplizierter an, als es ist. Probier es einfach mal aus – es ist gar nicht schwer!

Wenn du dein Pferd so von einer Seite zur anderen schicken, vorwärts schicken und sicher anhalten kannst, dann kannst du es gefahrlos überall hinbringen.

Wenn du Spaß am Führtraining gefunden hast, kannst du ja mal ein paar Geschicklichkeitsübungen ausprobieren. Ein Trailparcours zum Beispiel macht Freude und dein Pferd wird sicherer im Umgang mit neuen Dingen!


Silke Behling

©Ricarda Wowries

Silke Behling ist selbstständige Redakteurin und arbeitet sowohl im Buch – als auch im Zeitschriftenbereich. Ihre Veröffentlichungen reichen von Fachbüchern bis zu Zeitschriftenartikeln. Als Diplom-Pädagogin liegt ihr der Bereich Bildung und Kinder besonders am Herzen, weshalb sie seit vielen Jahren für das Kindermagazin „Piaffino“ schreibt. Zudem bietet sie als ausgebildete Pferde-Physiotherapeutin (DIPO) Akupunktur und Physiotherapie für Pferde und Hunde im Raum Osnabrück an. Ihre Freizeit genießt sie mit ihrem inzwischen 24-jährigen Vollblutaraber El Santee, mit dem sie beim Distanzreiten früher Wettkämpfe bis zu 120 Kilometern bestritten hat, und ihren beiden Hunden Lotta und Easy.


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