Offenstallhaltung und Boxenhaltung verbessern

1483
0

Offenstallhaltung

Die sicherlich artgerechteste Pferdehaltung ist die Offenstallhaltung. Auch dort gibt es immer noch ein paar Dinge, die man verbessern kann, wie zum Beispiel die Schaffung von mehr Bewegungsanreizen. Aber auch in Boxen gibt es immer noch Dinge, mit denen man die Haltung für ein Pferd angenehmer gestalten kann.

Verschiedene Haltungssysteme

Einzelhaltung

Die noch oft vorzufindende Boxenhaltung ist eine Haltung einzelner Pferde in einem eigenen Einzelstall. Der Vorteil dieser Haltung ist die Möglichkeit kontrollierter Fütterung von Rau- und Kraftfutter und eventuell ein verringertes Verletzungsrisiko im Vergleich zur Gruppenhaltung. Vielfach haben Einzelboxen inzwischen angeschlossene kleine Ausläufe, sogenannte Paddocks. Diese Paddocks ermöglichen den Pferden nicht nur frische Luft und etwas Platz für ein paar Schritte mehr, sondern oft auch besseren Sozialkontakt zum Nachbarn. Aus diesem Grund sind übrigens Stromabtrennungen zwischen den Paddocks abzulehnen, besser sind feste Abtrennungen über die hinweg die Pferde sich beschnuppern und kraulen können.

Gruppenhaltung

Pferdefreundlicher als die Einzelhaltung ist in der Regel die Gruppenhaltung. Es gibt die sogenannten Gruppenlaufställe, in denen meist Jungpferde über Winter gemeinsam gehalten werden.
Bei einer Offenstallhaltung haben die Pferde zudem die Möglichkeit sich gemeinsam draußen aufzuhalten. Moderne Offenställe werden auch als Aktivställe angelegt, bei denen sich die Pferde zwischen Futter und Wasser fortbewegen müssen, Heu und/oder Kraftfutter werden teilweise sogar automatisch an verschiedenen Stellen gefüttert. Moderne Paddocktrails sind zudem so aufgeteilt, dass die Pferde weitere Wege zwischen den verschiedenen Stationen wie Futter, Wasser oder Weide zurücklegen müssen – das kommt der Natur der Pferde am ehesten entgegen.

Tipps für die Box

Wenn ein Pferd in einer Einzelbox steht, dann muss sie natürlich die Mindestmaße haben: (Widerristhöhe x 2)² Zudem müssen ausreichend Licht und Luft gewährleistet sein. Besser als komplett hochgeschlossene Boxenwände sind offene Seiten, damit die Pferde zueinander Kontakt haben können. Dabei muss gewährleistet sein, dass nicht unbedingt zwei Pferde nebeneinander stehen, die sich nicht leiden können, sonst haben ein oder beide Pferde ständig Stress. Für Hengste gelten eventuell andere Maßstäbe: Deckhengste sind manchmal ruhiger, wenn sie den Konkurrenten nicht direkt neben sich haben.

Sozialbox

Aber für viele Pferde ist das Entfernen der hohen Abtrennung zum Nachbarn schon mal eine wesentliche Verbesserung des Boxenstalls. Ich kenne einige Ställe, die aus den ehemals gemauerten, geschlossenen Wänden halbhohe Holzwände gemacht haben und bei denen die Pferde deutlich zufriedener sind. Inzwischen gibt es auch die Möglichkeit mit Hilfe von breiten Gitterstäben eine Art „Sozialbox“ zu schaffen, bei der die Pferde auch seitlich Kontakt zum Nachbarn haben können. Für befreundete Pferde eine ideal Lösung!

Heunetze und Heuraufen

Eine weitere mögliche Verbesserung der Boxenhaltung ist die Verlängerung der Fütterung von Raufutter durch Heunetze oder Heuraufen. Man kann Heunetze in der Box aufhängen oder eine Raufe installieren, bei der das Pferd möglichst vom Boden fressen kann – das entspricht am ehesten der natürlichen Fresshaltung. Hoch aufgehängte Heuraufen sind hingegen wenig artgerecht.
Zusätzlich können auch in der Box gesunde Knabberhölzer angeboten werden, sie dienen der Beschäftigung und beugen Verhaltensstörungen durch Langeweile vor.

Futter und Auslauf

Übrigens ist auch die Wahl der Einstreu für das Pferd nicht ganz unwichtig: Stroh kann im Gegensatz zu Spänen gefressen werden und dient damit ebenfalls der Beschäftigung und Raufutteraufnahme. Wo es möglich ist, kann für die Kraftfutterfütterung eine automatische Fütterungsanlage installiert werden. Zugegeben, das ist ein hoher finanzieller Aufwand, aber die häufigere Gabe kleinerer Kraftfuttermengen ist ideal für den eher kleinen Pferdemagen und beugt Erkrankungen vor. Generell müssen Boxenpferde selbstverständlich immer ausreichend Auslauf mit einem oder mehreren anderen Pferden haben.

Tipps für die Offenstallhaltung

Unter Offenstallhaltung verstehe ich hier alle Haltungssysteme, bei denen ein Gruppe von zwei oder mehr Pferden gemeinsam zusammenlebt und sowohl eine oder mehrere Unterstellmöglichkeiten/Stallungen sowie einen ausreichnd großen Auslauf hat. Auch hier ist, wie in der Box auch, eine Verlängerung der Fresszeiten des Raufutters wichtig. Dies kann durch aufgehängte Heunetze geschehen, aber das können auch Netze sein, die über eine frei zugängliche Heuraufe gespannt werden, oder über eine automatische Fütterung, bei der beispielsweise die Heuraufe alle zwei Stunden geöffnet wird. Eine automatische Fütterung von Kraftfutter ist hier natürlich ebenso möglich – und leider ebenso teuer – wie in der Box und ebenso vorteilhaft für das Pferd.

Ausreichend Bewegung

Eine Verbesserung für die Offenstallhaltung sind Bewegungsanreize, wie sie im Aktivstall oder Paddocktrail gegeben werden. Dies kann oft relativ einfach durch eine Trennung von Raufutter und Wasser geschehen oder auch durch das Anlegen zusätzlicher Wege um Weiden oder Paddocks herum. Dabei muss natürlich immer darauf geachtet werden, dass der neue Weg breit genug ist, damit sich auch zwei Pferde, die sich nicht ganz so wohlgesonnen sind, aus dem Weg gehen können. Wenn nicht genug Platz für zusätzliche Wege ist, kann manchmal auch durch eine Abtrennung, die die Pferde unrunden müssen, ein Bewegungsanreiz geschaffen werden. Wege, die regelmäßig genutzt werden, müssen befestigt werden, da Pferde sie sonst leider kaputttreten. Hier bieten sich hochwertige Paddockplatten an, die teilweise auch ohne Unterbau verlegt werden können.

Solche Kunststoffgitterplatten eignen sich auch für die (teilweise) Befestigung des Auslaufs – auch eine wichtige Verbesserung für viele Offenställe, damit die Pferde  in regenreichen Zeiten nicht im Matsch stehen müssen. Wie der Boden befestigt werden muss, hängt immer auch von den örtlichen Gegebenheiten ab. Im Zweifelsfall lohnt es sich mit Pferdehaltern in der Nachbarschaft zu sprechen und sie nach ihren Erfahrungen zu fragen. Paddockplatten haben sich zumindest vielfach bewährt.


Silke Behling

©Ricarda Wowries

Silke Behling ist selbstständige Redakteurin und arbeitet sowohl im Buch- als auch im Zeitschriftenbereich. Ihre Veröffentlichungen reichen von Fachbüchern bis zu Zeitschriftenartikeln. Als Diplom-Pädagogin liegt ihr der Bereich Bildung und Kinder besonders am Herzen, weshalb sie seit vielen Jahren für das Kindermagazin „Piaffino“ schreibt. Zudem bietet sie als ausgebildete Pferde-Physiotherapeutin (DIPO) Akupunktur und Physiotherapie für Pferde und Hunde im Raum Osnabrück an. Ihre Freizeit genießt sie mit ihrem inzwischen 24-jährigen Vollblutaraber El Santee, mit dem sie beim Distanzreiten früher Wettkämpfe bis zu 120 Kilometern bestritten hat, und ihren beiden Hunden Lotta und Easy.


Hilf uns, unseren Service weiter zu verbessern. War dieser Artikel hilfreich für dich?

Kommentare, Fragen und Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.