Katze frisst nicht

10885
0

katze frisst nicht

Nahezu jede/r Katzenhalter/in kennt das Problem in mehr oder weniger starker Ausprägung: Mieze streicht um die Beine ihres Dosenöffners und meldet lautstark ihren nahenden Hungerstod an. Es ist – zumindest aus Sicht der Fellnase – Fütterungszeit. Der Mensch kann nicht schnell genug das Schälchen füllen und kaum ist es auf dem Boden platziert, kehrt die hungernde Mieze dem Napf naserümpfend den Rücken zu. Dieses Futter wird auf gar keinen Fall verspeist!

Die Art der Futterverweigerung ist so vielfältig wie unsere Samtpfoten selbst. Jahrelang beliebtes Futter kann von jetzt auf gleich und für alle Zeit oder auch nur temporär verschmäht werden. Zuletzt gut angenommene Sorten werden ignoriert, scheinbar besonders häufig, wenn man eine größere Menge davon gekauft hat und gänzlich neues Futter ist bei Katzen ohnehin ein Glücksspiel.

Katze frisst nicht – ein hausgemachtes oder ernstes Problem?

Die Gründe, warum Katzen ihr Futter verschmähen, sind sehr unterschiedlich. Ist der Katze grundsätzlich nicht wohl in ihrem Fell, kann sich dies schnell auf den Appetit schlagen und dann zu einem Notfall werden. Frisst das Tier über einen längeren Zeitraum gar nichts (ein Richtwert sind 24 Stunden), droht eine hepatische Lipidose, eine lebensbedrohliche Stoffwechselerkrankung, die dringend tierärztlich behandelt werden muss. Wird der Katze wiederum erst unmittelbar nach der Nahrungsaufnahme übel, merkt sie sich das soeben verspeiste Futter fürs nächste Mal und verweigert es ggf. zumindest für die nächste Zeit.

Grundsätzlich sind Katzen neuem Futter oft skeptisch eingestellt. In der Natur ist ihr Speiseplan überschaubar. Je nach regionaler Verfügbarkeit füllen rund 70% des Katzenmagens frisch gefangene Mäuse. Die übrigen 30% verteilen sich auf weitere Kleinnager, Insekten, Vögel und ähnliche kleine Beutetiere. Es steht wenig Abwechslung auf dem Plan des Carnivoren (d.h. „Fleischfresser“). Neues muss daher genau geprüft und skeptisch abgewogen werden – es könnte schließlich schädlich sein. Ist die Katze nicht von klein auf ein wenig Abwechslung gewöhnt, wird es umso schwerer, ihr ein neues, vielleicht medizinisch notwendiges Futter schmackhaft zu machen.

Immer das Gleiche – und plötzlich bleibt der Napf voll

Verschmäht die Katze immer häufiger und mehr Futtersorten, solltest du sie zunächst einem Tierarzt vorstellen, um ein medizinisches Problem auszuschließen. Ist deine Fellnase gesund bzw. wird sie adäquat behandelt oder möchtest du zum Beispiel auf ein anderes Futter umstellen, kannst du mit verschiedenen Tricks versuchen, deine Katze (wieder) zum Fressen zu animieren.
Hinterfrage als Erstes, ob du deiner Katze vielleicht nach dem ersten Naserümpfen etwas Neues anbietest oder der feline Feinschmecker mit einem klagenden Maunzen umgehend ein anderes Futter angeboten bekommt und möglicherweise nur mit dir „verhandelt“, ob es etwas noch Tolleres im Napf geben könnte. Erwischst du dich bei dieser Nachgiebigkeit, lass das Futter ein wenig stehen und biete mit der nächsten Mahlzeit wieder eine kleine Menge des gleichen Futters frisch an. Häufige und regelmäßige Fütterungszeiten (ideal sind alle vier bis sechs Stunden) mit nur kleinen Portionen kommen der Verdauung und dem Hungergefühl deiner Katze ebenso entgegen.

Achtung!

Ist das Futter aus Sicht deiner Katze ungenießbar oder ist ihr nicht wohl, verhungert sie im Zweifel sprichwörtlich vor dem vollen Napf. Du solltest daher bei der Fütterung eine Balance zwischen Konsequenz und der Berücksichtigung feliner Grundbedürfnisse (insbesondere an die Frische und Auswahl des Futters) beachten.

Der Geruch ist entscheidend

Die Hauptprüfung genießbarer Nahrung findet bei der Katze über den Geruch statt. Riecht das Futter nach den gewohnten schmackhaften Bröckchen, scheint es unbedenklich. Hast du einen Katzensenior oder verstopft ein Schnupfen die Nase der Katze, erwärme das (Feucht-)Futter etwas, um wieder den Geruch des Gewohnten zu verstärken. Wir kennen das Problem ein wenig selbst – sind wir verschnupft, scheint unser Essen nach nichts mehr zu schmecken. Ähnlich geht es deiner Katze mit Schnupfnase oder nachlassendem Geruchssinn, und für sie ist diese Prüfung entscheidend in ihrer Wahl des Futters.
Ein leicht erhöhter Napf (z.B. auf einer umgedrehten Müslischale angeboten) hilft:

  • älteren Katzen, die oft unmerklich in ihrer Bewegung eingeschränkt sind und sich beim Bücken des Köpfchens etwas schwerer tun als noch in jungen Jahren

Hat die Katze einen empfindlichen Magen, kann ein erhöhter Napf zudem den Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre (Reflux) verhindern.

Beim sogenannten Sleepy Eating wird der aufwachenden Katze nahezu im Halbschlaf der Futternapf vor das Näschen gehalten, um sie zur unmittelbaren Nahrungsaufnahme zu animieren. Diese Technik wird insbesondere bei kranken, sehr alten bzw. dementen Katzen angewendet und erfordert Feingefühl, die Katze weder für das Fressen aus dem Schlaf zu wecken, noch mit dem Futter zu bedrängen.

Vielmehr nutzen wir den Moment des schlaftrunkenen Wachwerdens, ein allzu langes „Grübeln“ über das angebotene Futter zu überspringen. Bitte nötige deine Katze jedoch niemals zum Fressen, denn unter Zwang wird sie sich sicherlich nicht mehr auf das Futter einlassen wollen und zudem das Vertrauen in dich als Bezugsperson verlieren.

Als eine Art „Geschmacksverstärker“ bieten sich beispielsweise Hefeflocken, Gänseschmalz oder ein paar gemörserte Leckerchen an, die du über die Mahlzeit gibst. Das kann nicht nur eine appetitlose Katze animieren, sondern dir zudem eine gewünschte Futteränderung erleichtern. Hierfür kann es außerdem helfen, zunächst nur sehr kleine Mengen des neuen Futters unterzumischen. Achte also darauf, dass du sehr langsam die Menge des neuen Futters beimengst, sodass sich die Nase deiner Fellnase nach und nach an die neue Sorte gewöhnen kann.
Ich wünsche dir ein gutes Händchen, deine Katze (wieder) zum Fressen zu animieren und im Zweifel starke Nerven, den Verhandlungen deines kleinen Gourmets stand zu halten.

 


Carmen SchellCarmen Schell, Inhaberin von Cattalk®, ist als ausgebildete Tierpsychologin (ATN) mit dem Fachgebiet Katze im Rhein-Main-Gebiet, überwiegend rund um Darmstadt und Frankfurt sowie im Online-Coaching tätig. Sie bietet professionelle Unterstützung bei allen Fragen zu der Haltung und Problemverhalten von Samtpfoten. Neben der persönlichen Beratung gibt sie regelmäßig Vorträge und bundesweite Seminare für interessierte Laien und Profis. Ihr Herz hat die Autorin besonders an Katzen aus dem Tierschutz verloren und engagiert sich ehrenamtlich im regionalen Tierschutz.


 

Weitere Informationen zum Thema Katzenernährung findest du hier:

Hilf uns, unseren Service weiter zu verbessern. War dieser Artikel hilfreich für dich?

Kommentare, Fragen und Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.