Schilddrüse bei Hund und Katze

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Schilddrüse bei Hund und Katze

Natürlich weißt Du, dass es die Schilddrüse gibt, aber weißt du auch wie lebenswichtig sie für Mensch und Tier ist? Im Folgenden erfährst Du in Kürze alles Wichtige zu diesem eher unscheinbaren aber dennoch extrem wichtigen Organ: der Schilddrüse bei Hund und Katze.

Was macht die Schilddrüse bei Hund und Katze?

Der gesamte Stoffwechsel im Organismus eines Säugetiers unterliegt dem Einfluss der Schilddrüse. Dazu zählen vor allem:

  • Energieverbrauch
  • Blutdruck
  • Herzfrequenz
  • Körpertemperatur
  • Verhalten

Das Organ der Schilddrüse ist bei allen Säugern paarig angelegt. Seine beiden hormonproduzierenden Gewebelappen befinden sich seitlich an der Luftröhre und werden über einen kurzen Steg, den sogenannten Isthmus, miteinander verbunden. Die Schilddrüse produziert in erster Linie Thyroxin (T4). Dieses Hormon bestimmt durch seine Konzentration im Blut wie schnell oder langsam der Stoffwechsel läuft.

Die Schilddrüse bei Hunden

Hunde neigen besonders im Alter zu einer sogenannten Hypothyreose, der Schilddrüsenunterfunktion. Dabei begibt sich die erkrankte Schilddrüse in eine Art Ruhemodus, in dem sie anhaltend zu wenig Thyroxin produziert und daher nicht genügend T4 im Blut zirkuliert um einen einwandfreien Stoffwechsel zu gewährleisten.

Symptome einer Schilddrüsenerkrankung beim Hund

Die Folge sind in der Regel recht deutliche Symptome wie

  • anhaltende Müdigkeit
  • mittel- bis hochgradige Gewichtszunahme
  • trockene teils schuppige und juckende Haut
  • mitunter Wesenveränderungen

Die Wesensveränderung kann sich als anhaltende Ängstlichkeit, Unsicherheit oder gar übersteigerte Aggression darstellen. Bei Auftreten mehrerer dieser Anzeichen ist ein Besuch beim Tierarzt, der eine Blutentnahme zur Bestimmung der entsprechenden Parameter durchführen kann, in jedem Falle angezeigt.

Therapie

Sollte sich der Verdacht einer Unterfunktionsstörung bestätigen, wird der Patient entsprechend seines Körpergewichts auf ein Thyroxin-haltiges Medikament eingestellt. Dabei wird dem Organismus das ihm fehlende T4 von außen per Tablette zugeführt, welches er nicht in der Lage ist in ausreichender Menge selbst zu produzieren. Eine Überprüfung der Blutparameter sollte danach in regelmäßigen Abständen als Therapiekontrolle erfolgen. Sollte das Organ seine Produktion von T4 durch die Gabe von Medikamenten weiter reduzieren, lässt sich dies so sicher feststellen und die medikamentöse Zufuhr entsprechend anpassen.

Die Prognose einer Schilddrüsenunterfunktion beim Hund ist in der Regel gut bis sehr gut und die Lebenserwartung bei erfolgreicher Therapie nicht beeinträchtigt. Die Symptome verschwinden meist binnen der ersten vier Wochen unter Therapie. Die medikamentöse Behandlung wird für gewöhnlich bis zum Lebensende fortgeführt.

Die Schilddrüse bei Katzen

Bei Katzen schlägt eine Fehlfunktion der Schilddrüse hingegen genau in die entgegengesetzte Richtung. Hier kommt es gerade im Alter zur Ausprägung einer Schilddrüsenüberfunktion – der Hyperthyreose.

Symptome einer Schilddrüsenerkrankung bei der Katze

Hierbei produziert das Organ Thyroxin im Überfluss – die Tiere leben damit sozusagen auf der Überholspur. Sie zeigen meist folgende Symptome:

  • massiv gesteigerte Herzfrequenz
  • deutlichen Bluthochdruck
  • starker Gewichtsverlust, obwohl sie viel fressen
  • Unruhe, die mitunter zur Ruhelosigkeit werden kann

Die Ursache der Hyperthyreose bei der Katze ist bis heute nicht ganz geklärt, man geht aber davon aus, dass verschiedene Umweltgifte wie Schädlingsbekämpfungs- und Pflanzenschutzmittel mindestens eine Mitschuld am heutzutage deutlich häufigerem Auftreten haben.

Therapie

Die Therapie einer Überfunktion bei der Katze ist theoretisch ähnlich simpel wie die der Unterfunktion beim Hund – wenn man von der Schwierigkeit absieht, dass Katzen die Einnahme von Medikamenten im Vergleich zum Hund deutlich häufiger erschweren bzw. boykottieren. Ich meine wer kennt das nicht? Die Worte ‚Tablette‘ und ‚Katze‘ passen nicht in einen Satz.

Bei Katzen wird jedoch kein T4 von außen zugeführt, sondern das Organ mit Schilddrüsenhemmern, sogenannten Thyreostatika, ausgebremst bzw. verlangsamt. Dadurch normalisiert sich der Stoffwechsel der Patienten binnen weniger Tage. Dies lässt sich als Tierhalter sehr gut daran erkennen, dass der Patient wieder weniger frisst und dennoch zeitgleich an Gewicht zulegt. Hinzu kommt dass die Katzen unter Therapie wieder zur Ruhe kommen und nicht mehr rastlos erscheinen. Auch hier ist die regelmäßige Überprüfung der Blutparameter durch einen Tierarzt wichtig, zumal sehr häufig eine Nierenfunktionsstörung von einer Hyperthyreose bei Katzen maskiert wird, die dann ebenfalls therapiert werden muss.

Die Prognosestellung ist bei Katzen nicht ganz so einfach wie bei Hunden da hier oftmals andere Organe wie beispielsweise die Nieren involviert sein können. Katzen mit einer untherapierten Überfunktion der Schilddrüse altern jedoch sehr schnell durch den massiv gesteigerten Energieverbrauch – daher muss diese Erkrankung bei Katzen rasch behandelt werden.


Sebastian Goßmann-JonigkeitTierarzt Sebastian Goßmann-Jonigkeit ist seit 2012 praktizierender Tierarzt für Kleintiere in Engelskirchen bei Köln. Dort leitet er die Praxis gemeinsam mit seiner Frau. Sein Faible gilt der Zahnmedizin für Hunde und Katzen – daher fühlt er sich zwischen Dentalröntgen und Zahn-OP auch besonders wohl. In seiner Freizeit bloggt er auf Facebook und Instagram.


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