Herzerkrankungen bei Hund und Katze

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Herzerkrankungen bei Hund und Katze

„Mein Hund hat was am Herzen“ hört man öfter, gerade wenn das Tier schon etwas älter ist. Aber was hat es damit auf sich? Tierarzt Dr. Sebastian Goßmann-Jonigkeit gibt einen Einblick in die Symptome von Herzerkrankungen bei Hund und Katze und zeigt Therapiemöglichkeiten auf.

Herzkrank… was bedeutet das eigentlich?

Dazu hier eine Stippvisite in die Kardiologie – die Wissenschaft des Herzens.
Das Herz hat bei allen Tieren die gleiche Funktion: Es pumpt das Blut durch den Körper. Dadurch wird garantiert, das der an die roten Blutkörperchen gebundene Sauerstoff jeder Zelle des Körpers in ausreichendem Maße zur Verfügung steht. Dabei kann der Bedarf in Ruhe von gering auf hoch bei körperlicher Belastung variieren – dies zu Kompensieren fällt ebenfalls in das Aufgabengebiet des Herzens.

Herzaufbau

Bis auf wenige Ausnahmen im Tierreich ist das Herz als funktionales Hohlorgan baulich recht gleich aufgebaut. Auf beiden Seiten befindet sich jeweils eine größere Herzkammer unterhalb eines kleineren Vorhofs, voneinander klar getrennt durch eine Herzklappe, die als Rückschlagventil fungiert, damit das Blut nur in eine Richtung fließt. Das Blut wird dabei während des Pumpvorgangs durch ein ausgeklügeltes System von Muskelanspannungen und Klappenbewegungen im fortwährendem Kreislauf gehalten.
Es fließt sauerstoffarm in das Innere des Organs über die zuführende hintere Holvene. Vom rechten Vorhof gelangt es durch die sogenannte Trikuspidal-Klappe in die rechte Herzkammer. Von dort aus über die Lungenarterie ins Gefäßsystem der Lunge, wo die roten Blutkörperchen mit frischem Sauerstoff beladen werden. Die Lungenvene führt das Blut in den linken Vorhof, durch die sogenannte Bikuspidal-Klappe in die linke Herzkammer, und wird von dort durch die Aorta in den großen Körperkreislauf sauerstoffreich entlassen.

Die Reizleitung

Damit der Blutfluss exakt so funktioniert, muss die Kontraktion des Herzmuskels exakt gesteuert werden. Den Takt gibt dazu der sogenannte Sinusknoten vor – er sendet einen elektrischen Impuls aus, der die jeweiligen Herzmuskelzellen in richtiger Reihenfolge erreicht, so dass diese sich genau der Pumpfunktion entsprechend zusammenziehen. Diese elektrische Ableitung lässt sich mithilfe des Elektrokardiogramms (EKG) darstellen und zeigt die Reizleitung im Herzmuskel. Es dient zur Aufdeckung möglicher Arrythmien (bspw. falsche Taktgebung oder fehlerhafte Weiterleitung), die unerkannt zu einem ungenügenden Blutstrom führen können. Daher ist die Herz-Überwachung während einer Narkose auch so wichtig.

Symptome für Herzerkrankungen bei Hund und Katze

Sämtliche Anzeichen ein Herzinsuffizienz können anhand der vorliegenden Fehlfunktion des Herzens erklärt werden.
Einer der Hauptvorstellungsgründe in der Sprechstunde ist ein merklicher Leistungsabfall – meist erstmals deutlich aufgefallen bei höheren Außentemperaturen im Frühsommer. Da das Herz mit einem altersbedingten Herzklappenfehler den Sauerstoffbedarf für den Organismus oftmals nur noch knapp decken kann, bewegt sich der Patient meist deutlich unmotivierter bzw. langsamer als gewöhnlich. Bei erhöhten Außentemperaturen wird das Herz-Kreislauf-System noch einmal weit stärker gestresst da ein Großteil der Körperenergie in die Temperaturregulation fließt und so eine Mindestversorgung mit Sauerstoff in allen Organen (besonders wichtig im Hirn) nicht zu jeder Zeit gewährleistet wird. Dieser Umstand bedingt den typischen Kollaps eines unerkannten oder mangelhaft therapierten Herzpatienten an heißen Sommertagen.

Ein weiteres Symptom können bläulich (zyanotisch) verfärbte Schleimhäute (bspw. Bindehäute im Auge oder das unpigmemtierte Zahnfleisch) sein, die durch eine Mangelversorgung mit Sauerstoff im Blut bedingt werden.
In fortgeschrittenen Stadien kommt es meist zum sogenannten ‚Herz-Husten‘ – dabei handelt es sich um ein Lungenödem, welches der Patient vergeblich versucht abzuhusten bzw. herauszuwürgen. Es entsteht wenn sich Blut aus dem linken Vorhof zurück in die Lunge staut und so im Blut enthaltene Flüssigkeit aus dem Gefäßsystem in die Zwischenräume der Bronchien gepresst wird – unbehandelt können Tiere daran regelrecht ‚ertrinken‘ bzw. ‚ersticken‘.

Diagnostik

Um ein Herz zu untersuchen gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die einfachste ist das Abhören mittels Stethoskop – die sogenannte Auskultation. Dabei lassen sich Herznebengeräusche (Fauchen, Klappern o.ä.) durch defekte Herzklappen feststellen. Gleichzeitig kann man die Herzfrequenz zählen und unter Umständen eine Arrythmie hören.

Beim Herz-Röntgen (meist ohne Sedation möglich) werden die horizontalen und vertikalen Maße des Organs in Relation zu den Brustwirbelgrößen gesetzt um zu schauen ob es vergrößert ist. Wenn es beim Hund mehr als insgesamt 10.5 Wirbelkörper misst, spricht man von einer therapiebedürftigen Herzvergrößerung – diese Berechnungsmethode nennt sich VHS-Röntgen (Vertebral Heart Score).

Um die Funktionsfähigkeit der Klappen zweifelsfrei beurteilen zu können hat sich der Doppler-Ultraschall bewährt. Neben den Maßen der Herzklappen lassen sich etwaige Rückströme des Bluts durch Defekte farblich genau darstellen.

DCM vs. HCM

Bei einer im Alter auftretenden Herzinsuffizienz, reagiert der Organismus von Hund und Katze meist recht unterschiedlich. Da der Blutstrom durch die fehlerhaften Herzklappen gestört wird und unter Umständen sogar streckenweise rückläufig sein kann, muss das Herz als zentrale Pumpstation entsprechend umgebaut und angepasst werden.

Beim Hund kommt es in der Regel zu einer sogenannten Dilatativen Cardiomyopathie (DCM). Dabei handelt es sich um eine, im Röntgen leicht darstellbare, Vergrößerung des Organs. Das Volumen beider Kammern wirkt massiv vergrößert, so dass eine bedeutend größere Menge Blut pro Herzschlag bewegt werden könnte. Das Problem an dieser Anpassung ist, dass der Herzmuskel im Bereich der Kammern dadurch sehr schmal wird – ihm fehlt die Kraft das vergrößerte Organ optimal zu bedienen.

Katzen bilden hingegen im Alter fast ausschließlich, bei entsprechenden Klappendefekten, eine Hypertrophe Cardiomyopathie (HCM) aus. Bei dieser Form der Kompensation ist der Herzmuskel massiv verdickt bei deutlicher Verkleinerung der Herzkammern. Daher kann hier pro Schlag nur eine geringe Menge Blut pro Herzschlag gepumpt werden und das Herz muss bei dieser Erkrankung häufiger schlagen um das Mindestmaß Blut zu befördern.

Therapie

Spätestens wenn sich oben beschriebene Symptome von Herzerkrankungen bei Hund und Katze zeigen, sollte möglichst bald der Haustierarzt zwecks Herzuntersuchung aufgesucht werden.

Da es im Laufe des Alterns langsam zum Verschleiß der Herzklappen kommt, wird der absolute Großteil aller Hunde und Katzen früher oder später im Alter entsprechende Symptome ausbilden und therapiebedürftig werden. Um die so entstandene Herzinsuffizienz zu kompensieren nutzt die moderne Tiermedizin vier Säulen der Kardiaka (Herzmedikamente):

  1. Senken der Nachlast durch ACE-Hemmer (durch Weitung der Blutgefäße wird es einfacher für das Herz gegen den bestehenden Blutdruck anzupumpen)
    Verlangsamen bzw. Umkehren des Umbauprozesses, der bei einer Dilatativen oder Hypertrophen Cardiomyopathie auftritt
  2. Stärken der muskulären Herzkraft durch den Wirkstoff ‚Pimobendan‘ beim Hund
  3. Entwässern der Lunge durch Aktivierung der Nierenfunktion mit den Wirkstoffen ‚Furosemid‘ oder ‚Torasemid‘ bei Vorliegen eines Lungenödems
  4. Ergänzend können durchblutungsfördernde Mittel wie bspw. Propentofylline im Bereich der Endstrombahnen eingesetzt werden.

Welcher Wirkstoff bei welchem Patienten eingesetzt wird, muss anhand der vorliegenden Befunde und Symptome entschieden werden. Eine Verallgemeinerung ist nicht möglich.

Fazit

Noch vor einigen Jahren galten Herzerkrankungen bei Hund und Katze, vor allem altersbedingt erworbene Fälle, als äußerst schwierig. Zum einen weil die Medikamentenmöglichkeiten stark begrenzt waren und zum anderen eher schlecht zu dosierende Medikamente (z.B. das Gift des Roten Fingerhuts) zur Verfügung standen.

Besonders die stärkende Wirkung des Pimobendans hat die Therapie von herzkranken Hunden in den vergangenen Jahren enorm weitergebracht.
So kann heutzutage die Lebenserwartung eines gut eingestellten und vernünftig überwachten Herzpatienten genauso hoch sein wie die eines gesunden Patienten – sofern frühzeitig gehandelt wird.


Sebastian Goßmann-JonigkeitTierarzt Sebastian Goßmann-Jonigkeit ist seit 2012 praktizierender Tierarzt für Kleintiere in Engelskirchen bei Köln. Dort leitet er die Praxis gemeinsam mit seiner Frau. Sein Faible gilt der Zahnmedizin für Hunde und Katzen – daher fühlt er sich zwischen Dentalröntgen und Zahn-OP auch besonders wohl. In seiner Freizeit bloggt er auf Facebook und Instagram.


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