Hunderennen: Spaß oder Quälerei für die Sprinter?

1487
0

Hunderennen

Das Hunderennen ist bei uns in Deutschland kein sehr bekannter Hundesport, wie etwa Agility oder Mantrailing. Es gibt aber einige Vereine, die hin und wieder Tagesveranstaltungen stattfinden lassen, bei denen Privatleute mit ihren Hunden an einem reinen Spaß-Rennen teilnehmen können. Hier haben sie auch meist die Möglichkeit, die „Stars“ des Hunderennens in Aktion zu sehen: Die Windhunde.

Welche Hunderassen werden für Hunderennen eingesetzt?

Bekannt für ihre Schnelligkeit und ihren grazilen Körperbau, der ein hohes Tempo und die gewisse Leichtigkeit beim Sprinten ermöglicht, sind die Windhund-Rassen. Diese wurden in verschiedenen Größen und mit unterschiedlichen Felleigenschaften für die Hetzjagd gezüchtet. Der Saluki ist ein sehr hübscher und großer Windhund, welcher längeres Fell an den Ohren und der Rute hat. Er ist enorm schnell und dabei äußerst ausdauernd. Der Whippet ist kurzhaarig und von mittlerer Größe. Auch er ist in der Lage, wahnsinnig schnell über die Rennbahn zu schießen und erstaunliche Energie aus seinem zarten, aber muskulösen Körper zu entwickeln. Heute ist der Whippet ein beliebter Begleithund geworden. Zu den langhaarigen und sogenannten „befederten“ Windhunden gehören neben dem Saluki, der Afghanische Windhund und der Barsoi. Auch rauhaarige Windhunde gibt es, nämlich den Deerhound und den Irischen Wolfshund. Kurzhaarig hingegen sind Whippet, Sloughi, Magyar Agar, Italienisches Windspiel, Galgo Espanol, Azawakh, Chart Polski und der schnellste von ihnen allen, der Greyhound.

Was macht einen Sprinter aus?

Ein Sprinter muss über eine kurze Distanz möglichst schnell rennen. Dabei kommt es also weniger auf die Ausdauer an, sondern mehr auf das Erreichen einer beeindruckend hohen Geschwindigkeit. Der Greyhound ist Meister dieser Disziplin. Der große Hund ist „typisch Windhund“ grazil, aber stark bemuskelt. Da er ein Sichtjäger ist, macht man sich seinen Jagdverhalten zu Nutze, indem er auf der Rennbahn einem künstlichen Hasen hinterherjagt, der von einer speziellen Anlage vor ihm hergezogen wird. Hetzt der Hund seiner Beute hinterher, ist er völlig auf diese fokussiert und sprintet was das Zeug hält, bis er im Ziel seine Beute schließlich als Belohnung bekommt. Dieses Jagdverhalten steckt im Windhund und heutzutage dürfen auch die als Familienhund gehaltenen Vierbeiner, diesen ab und an auf der Rennbahn eines Vereins ausleben.

Hunderennen – Fluch und Segen

Bei uns werden eher selten Hunderennen veranstaltet und wenn, dann sollte doch sehr verantwortungsvoll damit umgegangen und immer zum Wohle der Tiere gehandelt werden. Viele Windhundvereine haben die entsprechenden Bahnen vor Ort mit künstlichen Hasen etc. ausgestattet. Rassefans erfreuen sich an dem anmutigen Anblick eines sprintenden Windhundes, der seinem Hobby nachgeht. Diese Hunde haben großen Spaß daran und freuen sich, sich auspowern zu können, um danach den Abend aber auch wieder als Couchpotato zu verbringen und selig zu schlummern. So, wie der Retriever Talent bei der Apportierarbeit zeigt, der Deutsch Drahthaar gerne mit Herrchen zur Jagd geht oder der Hütehund hervorragend an Schafen arbeitet, so steckt dem Windhund das Rennen bzw. die Sichtjagd einfach im Blut.

In anderen Ländern kommt es aber auch vor, dass man man stattdessen leider ein Riesengeschäft aus dem Talent der freundlichen, eleganten Hunde macht und geht mit einer ganz anderen Absicht vor. Renngeschäfte boomen nach wie vor,- es werden Wetten über den Ausgang eines Wettkampfes abgeschlossen, sodass die Hunde einem entsprechend großen Druck ausgesetzt sind, Leistung zu bringen und das ausgesetzte Preisgeld einzufahren. Tiere die zu langsam, verletzt oder schlicht ungeeignet sind, werden entsprechend ausrangiert. Haben diese Hunde Glück, so werden sie von einer der sich engagierenden Tierschutzorganisationen aufgenommen, die sich genau solcher Vierbeiner annimmt, sie versorgt und weiter in ein sicheres, liebendes Zuhause vermittelt. Hier gehen die Hunde ihrer Leidenschaft nicht als freudebringendes Hobby, sondern als ernste und harte Pflicht nach.

Sprinter HUnderennen

Können nur Windhunde an Rennen teilnehmen?

Es gibt immer wieder Renntage in ganz Deutschland und den Nachbarländern, an denen jeder eingeladen wird, an einem Hunderennen teilzunehmen oder als Besucher vorbeizukommen. Dabei tritt natürlich nicht der kleine Chihuahua gegen einen langbeinigen Ridgeback an, sondern es wird in Größe und auch in Hunderassen unterschieden, um die Rennen fairer zu gestalten. Tatsächlich gibt es auch meist kleine Preise oder Urkunden zu gewinnen.
Hast du Lust, mit deinem Vierbeiner einmal teilzunehmen, so ist es völlig egal, welcher Rasse dein Hund angehört oder ob ihr ein Rennen schon mal ausprobiert habt. Wenn er gesund ist und sich nicht von dem Trubel vor Ort stressen lässt, so werdet ihr sicher viel Spaß haben! Hunde einer Gruppe starten einzeln über eine bestimmte Distanz, bei der die Zeit gemessen wird. Später werden diese verglichen und der schnellste Hund hat natürlich gewonnen. Als Motivation, schnell zu laufen, werden bei den Spaßrennen keine Hasen verwendet, sondern Herrchen/Frauchen läuft über die Bahn voran, während der Vierbeiner am Start noch festgehalten wird und darf schließlich hinterhereilen, sobald „sein“ Mensch am Ziel nach ihm ruft. Meist starten auch die Windhunde in einem Rennen und beeindrucken dabei so manchen Zuschauer mit ihrem Feuereifer.


KristinaKristina Ziemer-Falke ist zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensberaterin durch die Tierärztekammer Schleswig-Holstein und das Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Darüber hinaus verfügt sie über viele Zusatzausbildungen und Schwerpunkte und ist im Prüfungsausschuss der Tierärztekammer Niedersachsen für die Hundetrainerzertifizierungen.
Mit ihrem Mann Jörg Ziemer gründete sie das Schulungszentrum Ziemer & Falke, in dem sie seit vielen Jahren mit viel Herz, Leidenschaft und Kompetenz Hundetrainer in ganz Deutschland ausbilden und viele Weiterbildungsangebote anbieten. Viele kennen Kristina außerdem als erfolgreiche Autorin von Fachbüchern für Hundetrainer und Hundehalter sowie aus Artikeln beliebter Hundezeitschriften.


Hilf uns, unseren Service weiter zu verbessern. War dieser Artikel hilfreich für dich?

Kommentare, Fragen und Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.