Filmhunde

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FilmhundeManch Schauspieler hat Angst, neben ihnen zu drehen, weil er in ihrem Schatten stehen könnte: Hunde sind einfach extrem beliebte Filmtiere und markante Charaktere. Selbst in Nebenrollen. Es gibt sogar im Internet auf Filmwebseiten Quizspiele, bei denen du testen kannst, ob du einen Film oder eine Serie allein am Hund auf dem Szenenfoto erkennen kannst.
In vielen Filmen sind die Hunde selbst der Star. Beispiele: „Ein Hund namens Beethoven“, „Scott und Huutsch“, „Mein Partner mit der kalten Schnauze“ oder aber natürlich „Lassie“ – ob urkomisch oder herzergreifend, Geschichten rund um den Hund berühren uns und bescheren schöne Kino- und Fernsehabende.

Zu schön um wahr zu sein?

„Lassie“, der wohl berühmteste Film- und TV-Hund aller Zeiten, ist mitsamt seiner Geschichte von A – Z von Buchautor Eric Knight erfunden. Was den Filmerfolg insgesamt und die Karriere der Co-Darstellerin Elizabeth Taylor, damals 10 Jahre alt und mindestens so süß wie ihr Filmpartner, nicht behinderte. Die eigentlich weibliche Titelrolle verschaffte dem Rüden „Pal“ als erster Lassie die laut Saturday Evening Post im Jahre 1943 „spektakulärste Hunde-Karriere der Filmgeschichte“. Von Hollywood-Tiertrainer Rudd Weatherwax 1943 für die erste Verfilmung eines der Bücher rund um die Freundschaft zwischen einem Jungen und seinem treuen Hund „entdeckt“, spielte der damals 3jährige Rough Collie von da an insgesamt neun Mal die Hauptrolle, in sieben Filmen und zwei Folgen der Fernsehserie. Nach den beiden Pilotfilmen für die Fernsehserie 1954 ging er in den Ruhestand und starb 1958. Seine Nachkommen „erbten“ sozusagen die Rolle. Acht Generationen seiner Familie standen für weitere Produktionen als „Lassie“ vor der Kamera. Meistens übrigens die männlichen Tiere, da ihr Fell voller war. In den USA gibt es noch heute immer einen Hund, der als „offizielle Lassie“ bei Auftritten zu sehen ist. Sie hat einen Stern auf dem „Walk of Fame“. Für einen Hund, der nie existiert hat, eine stramme Leistung, findest du nicht?

Dein Star zum Anfassen

Du findest, dein Hund hat auch Talent? Leg los, trainiere ihn und melde dich bei einer seriösen (!) Casting-Firma. Für begabte Laiendarsteller auf vier Pfoten ist immer mal wieder eine kleine Rolle frei. Du musst nicht bekannter Profi-Trainer sein, um deinen Hund bei einem kleinen Einsatz für eine Daily Soap oder ähnliche Formate begleiten zu dürfen. Aber achte darauf, bei wem du dich vorstellt: Wenn schon allein für das Casting Geld verlangt wird, lass besser die Finger davon. Gerade bei Kleinanzeigen prüfe anhand Namen und Telefonnummer, ggf. über das Internet, ob der Anbieter schon lange im Geschäft ist, eine feste Adresse hat und ähnliche Dinge. Hast du einen guten Eindruck, dann lass deinen Hund ruhig zeigen, was er kann.
Was er jedenfalls können sollte:
Auf grundlegende Signale immer und überall zuverlässig reagieren. Wenn dein Hund sich außerhalb seiner vertrauten Umgebung leicht ablenken lässt, dann ist es für eine Filmkarriere definitiv noch zu früh. Hier heißt es üben, üben, üben. Und natürlich sollte er tiefenentspannt bleiben können, wenn am Set alle um ihn herumwuseln. Stressresistenz ist ganz wichtig. Für eine kleine Rolle, bei der es reicht, wenn dein Hund für die Dauer einer Szene neben dem Sofa herumliegt, kann bei entsprechender Veranlagung des Hundes die gute „Kinderstube“ als Qualifikation schon ausreichen. Je größer allerdings die Rolle, desto mehr Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer braucht dein Hund und desto größer ist der Druck, der auf ihm liegt, perfekt „abzuliefern“. Auch das muss er aushalten oder sogar als Leistungsanreiz empfinden. Es kann auch sein, dass der Hund auf Signal Verhaltensmuster zeigen soll, die er normalerweise von sich aus zeigt: Sich lecken, kratzen, gähnen zum Beispiel. Da wärest du gefordert, Dinge zu üben, die im Alltag nie gefragt sind. Wahrscheinlich habt ihr eher beim Dog Dancing halbe Tanzchoreographien trainiert als „Kratz dich!“ – und die „Peng“-Nummer kommt einfach auf Partys besser an, als kratzen unter Signalkontrolle zu setzen. Kunststückchen beim Trick Dogging zu trainieren ist auch ohne Star-Ambitionen unter Mensch-Hund-Teams kein seltenes Hobby mehr. Kurse dazu gibt es sicher auch in deiner Nähe. Apropos Team: Eventuell kann es für Filmdrehs zusätzlich erforderlich sein, dass dein Hund auch von Fremden Kommandos entgegen nimmt! Kläre rechtzeitig, ob du das willst und ob es funktionieren würde.

Wer hilft?

Wenn du die Sache professionell angehen willst, gibt es Filmtierschulen, teils mit angeschlossener Tieragentur. Hier kannst du dich beraten lassen, ob du deinen Hund fit fürs Rampenlicht machen möchtest. Erfahre auch, welchen Trainingsalltag dein Hund durchleben wird und ob dieser sich in euren bisherigen integrieren lässt.
Aber grundsätzlich sollte der Spaß an der Sache für dich UND den Hund im Vordergrund stehen. Das zählt mehr als jeder Oscar. Viel Vergnügen!


KristinaKristina Ziemer-Falke ist zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensberaterin durch die Tierärztekammer Schleswig-Holstein und das Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Darüber hinaus verfügt sie über viele Zusatzausbildungen und Schwerpunkte und ist im Prüfungsausschuss der Tierärztekammer Niedersachsen für die Hundetrainerzertifizierungen.
Mit ihrem Mann Jörg Ziemer gründete sie das Schulungszentrum Ziemer & Falke, in dem sie seit vielen Jahren mit viel Herz, Leidenschaft und Kompetenz Hundetrainer in ganz Deutschland ausbilden und viele Weiterbildungsangebote anbieten. Viele kennen Kristina außerdem als erfolgreiche Autorin von Fachbüchern für Hundetrainer und Hundehalter sowie aus Artikeln beliebter Hundezeitschriften. Als Dozentin ist Kristina Ziemer-Falke sehr gefragt und deutschlandweit auf Seminaren und Vorträgen zu Themen rund um den Hund anzutreffen.


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