Sukkulenten im Wüstenterrarium

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SukkulentenWüstenterrarien und ihre speziellen Bewohner stellen ganz besondere Anforderungen an ihren Lebensraum und die vorherrschenden Lebensbedingungen. Als Halter musst du viele Gesichtspunkte beachten, um eine artgerechte Haltung zu ermöglichen. Um das Wüstenterrarium optisch aufzupeppen und natürlicher aussehen zu lassen, kannst du auf Pflanzen zurückgreifen, die natürlicherweise in solchen extremen Habitaten vorkommen. Und welche pflanzlichen Lebewesen gibt es, die extremer Hitze, Trockenheit und starken Temperaturschwankungen trotzen können: ausgewählte Sukkulenten!

Was sind Sukkulenten?

Sukkulenten (von lateinisch sucus für ‚Saft‘ bzw. suculentus für ‚saftreich‘) sind saftreiche Pflanzen, die an besondere Klima- und Bodenverhältnisse angepasst sind und aufgrund körperlicher Merkmale dazu in der Lage sind, Wasser in Form von Zellsaft zu speichern. Sukkulenten2Durch diese Besonderheit können Sukkulenten auch längere Zeit ohne Wasserzufuhr auskommen. Dies ist in trockenen Gebieten ein überlebenswichtiger Vorteil. Je nach dem welches Pflanzenorgan zur Wasserspeicherung umgebildet ist, wird zwischen Blatt-, Stamm- und Wurzelsukkulenten unterschieden. Wobei alle Kombinationen möglich sind.

Flüssigkeitsreiches Gewebe wird meist als „sukkulent“ bezeichnet. Um sich vor Wasserverlust zu schützen, haben manche Sukkulenten „Haare“ (Auswüchse der Oberhaut oder umgebildete Blätter). Andere wiederum befinden sich teilweise unter der Erde und haben „Fenster“, durch die der Pflanzenkörper von innen ausgeleuchtet wird. Viele Sukkulenten haben keine Blätter. Dafür hat der Stamm aber Zellen, in denen die lebensnotwendige Fotosynthese betrieben wird. Einige Sukkulenten haben einen „gefalteten“ Stamm, was zu einer Vergrößerung der Oberfläche führt. Die meisten Sukkulenten atmen hauptsächlich nachts, um sich vor Wasserverlust beim Ausatmen zu bewahren.

Für das Terrarium geeignete Sukkulentenarten

Wenn du dich für eine Aufwertung des Wüstenterrariums durch lebende Pflanzen entscheidest, gibt es ein paar Dinge, die du beachten solltest. Sukkulenten kommen zwar fast überall auf der Welt vor, doch bestimmte Pflanzenfamilien finden sich natürlicherweise nur in bestimmten Regionen. Beispielsweise leben Kakteen in Amerika (von den ausgewilderten Kaktusfeigen im Mittelmeerraum abgesehen), ebenso Agaven. Aloen und Mittagsblumen finden sich hingegen hauptsächlich in Afrika. Wolfsmilchgewächse kommen auf der ganzen Welt vor. Wenn du also die Absicht hast, ein originalgetreues Habitat zu gestalten, so achte darauf, wo dein Reptil herkommt und welche Pflanzen dort heimisch sind.

Der nächste wichtige Punkt ist die Verletzungsgefahr. Viele Kakteen haben spitze Dornen (=umgewandelte Blätter!), an denen man sich ganz empfindlich stechen kann, insbesondere dann, wenn der freie Platz gering ist. Andere Pflanzen enthalten Giftstoffe, die sie vor Fraß schützen. In der Fachwelt und unter Terrarianern ist mancher sich derzeit noch nicht ganz einig, ob die „Wolfsmilch“ der Euphorbiaceen auch für Reptilien giftig ist. Die Meinungen gehen hier weit auseinander. Sukkulenten3Ich persönlich würde nichts riskieren. Andere Sukkulenten, wie z. B. einige Vertreter der Mittagsblumen (Aizoaceae), enthalten Alkaloide, auf die man verzichten sollte. Viele wasserspeichernde Pflanzen, wie z. B. Agaven, Opuntien, Fetthennen (Sedum), enthalten Oxalsäure, die nicht in größeren Mengen verzehrt werden soll. Wie groß eine „große“ Menge ist, bleibt allerdings offen. Und ganz wichtig ist: Du solltest auf Pflanzen aus Bau- und Supermärkten verzichten. Diese sind häufig stark mit Insektiziden und Herbiziden behandelt und führen somit unerwünschte Nebenwirkungen herbei.

Insgesamt solltest du deine Tiere immer regelmäßig beobachten und bei Auffälligkeiten sofort tierärztlichen Rat einholen. Zur Bepflanzung von Wüstenterrarien haben sich folgende Gattungen als eher unbedenklich bzw. geeignet erwiesen: Aloe, Gasteria, Echeveria, Agave, Sansevieria, Rhipsalis, Lithops, Conophytum, Kalanchoe, Huernia, Stapelia. „Bitte beachte aber auch die Ansprüche der von dir im Terrarium gepflegten Tierart(-en). Vermieden werden muss auf jeden Fall, dass die Sukkulenten als Futter enden. Dafür sind auch diese Arten nicht unbedingt geeignet und zudem wären die hübschen Pflanzen dafür auch viel zu schade.“

Welche Bedingungen benötigen Sukkulenten im Terrarium?

Wenn du dich jetzt für bestimmte Pflanzen entschieden hast und diese natürlicherweise ebenfalls Wüstenbewohner sind, dann sind die Lebensbedingungen, die abiotischen Umweltfaktoren, für Flora und Fauna gleich. Insofern musst du hier nur auf eine gelegentliche Bewässerung achten. Behalte deine Sukkulenten gut im Blick haben, um auf Veränderungen reagieren zu können. Wenn sich herausstellen sollte, dass die Pflanze wider erwarten nicht so gut mit den vorherrschenden Umweltbedingungen zurecht kommt, dann musst du sie aus dem Terrarium entfernen, bevor sie davon Schäden nimmt.

Du solltest auf keinen Fall deine Sukkulenten direkt einpflanzen, sondern sie stets in einem Kunststofftopf aufbewahren, da hier das Mikroklima im Wurzelbereich besser zu handhaben ist und du, wie gesagt, leichter reagieren kannst. Um das Ganze ansehnlich zu gestalten, empfehle ich zur Dekoration größere Steine. Einen Untertopf würde ich ebenfalls verwenden, damit beim Gießen nicht unnötigerweise das Wüstenterrarium befeuchtet wird. Ebenfalls wichtig ist es, die Pflanzen nicht direkt in den Heißbereich des Wüstenterrariums zu platzieren, denn das führt zwangsweise zu einer raschen Austrocknung.

Dekorative Abwechslung im kargen Wüstenterrarium

Wenn du dich als Halter für ein Wüstenterrarium entschieden hast, dann hast du eine anspruchsvolle Aufgabe gewählt, die viel Kontrolle und regelmäßige Beobachtung von dir verlangt. Optisch kannst du den Lebensraum deutlich aufpeppen, indem du echte, lebendige Pflanzen integrierst. Dies sind zwar dann zusätzliche Lebewesen, die beachtet werden müssen, aber sie verleihen dem Ganzen etwas mehr Authentizität und stellen einen zusätzlichen Blickfang dar.

 


Michael Freund ist hauptberuflich Lehrer an einer bayerischen Mittelschule mit einem Faible für die belebte Natur. In seinem Studium absolvierte er Biologie als Didaktikfach. Nebenbei engagiert er sich als Autor für diverse Zeitschriften und ist tatkräftiges Mitglied in verschiedenen Vereinen, unter anderem bei den „Sukkulentenfreunden Passau“.


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