Shire Horse im Rasseportrait

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Shire HorseImposanter als ein geht es wirklich nicht: Pferde mit einer Widerristhöhe bis über zwei Meter, lange Mähnen, viel Kötenbehang an den Beinen – Shire Horses sind wahrhaft beeindruckend. Umso faszinierender ist ihre sanfte, den Menschen zugewandte Art.

Steckbrief
Rassebezeichnung: Shire Horse
Stockmaß: Hengste mind. 168 cm, Stuten mind. 163 cm
Häufige Farben: Rappen, Schimmel, Braune
Ursprungsland: England
Hauptsächliche Eignung: Freizeitpferd, Fahrpferd
Charakter: Sanfte Riesen
Besonderheiten: Das größte Pferd der Welt!

 

Herkunft und Geschichte

Schon früh wurden sowohl im Kriege als auch von der Landwirtschaft wirklich schwere und kräftige Pferde gebraucht. So züchtete man im 18. Jahrhundert das sogenannte „Improved Black Cart Horse“, auch „Bakewell Black“ genannt – benannt nach seinem Züchter, dem Landwirt Robert Bakewell. Aus diesen Pferden entstand das Shire Horse. Leider wurden viele Shires mit Clydesdales gekreuzt, sodass die Zucht in den 1960er-Jahren quasi am Boden lag und es nur noch eine geringen Anzahl reinrassiger Shire Horses gab. Einigen wenigen engagierten Züchtern und den Brauereien, die die sanften Riesen weiter züchteten, ist zu verdanken, dass die beeindruckend Shire Horses nicht ausgestorben sind. Heute ist der Bestand zum Glück nicht mehr gefährdet und es gibt eine regelrechte Showszene, in der die sanften Riesen präsentiert werden. Inzwischen werden Shires nicht nur traditionell geschmückt vor Brauereiwagen gezeigt, sondern auch unter dem Reiter bei diversen Pferdeshows. Ihre beeindruckende Größe lässt Zuschauer bis heute überall staunen.

Interieur

Shire Horses werden auch der „Gentle Giants“ genannt. Ihre Sanftmut ist fast legendär und wird viel gelobt. Zudem sind die großen, aber umgänglichen Tiere noch sehr intelligent und lernwillig. Sie sind fleißig und verfügen dennoch über ausreichend Ruhe, um zu sicheren Arbeits- und Zugpferden zu werden.

Exterieur

Shires sind einfach riesig: Das Mindestmaß von Hengsten und Wallachen beträgt 168 Zentimeter Widerristhöhe, bei den Stuten 163 Zentimeter. Es soll aber schon Shire Horses mit Widerristhöhe von über zwei Metern gegeben haben. Der australische Hengst Noddy wird mit einer Größe von 2,05 Zentimetern und 1500 kg Gewicht angegeben. Das ist ungewöhnlich viel, selbst für einen Shire. Aber ein Gewicht von über einer Tonne erreichen tatsächlich die meisten sanften Riesen.
Der lange Hals mit dem üppigen Behang und der große Kopf der Pferde betonen die Größe der Pferde auch noch. Typisch ist zudem der Fesselbehang, der bei den Shires recht weit oben ansetzt. Viele Shires sind dunkel – Braune oder Rappen – mit einer breiten Blesse und vier weißen Beinen. Schon allein durch diese Zeichnung fallen die massigen Pferde auf. Ihr gedrungener Körper verstärkt den Eindruck, vor einer großen Masse Pferd zu stehen, noch.

Eignung/Nutzung

Shire Horses eignen sich für alle Arten des Fahrens: Ob Brauereiwagen oder landwirtschaftliche Arbeiten, ihre Kraft reicht für schwere Arbeiten und ihr imposantes Äußeres eignet sich perfekt für Präsentationszwecke. Dabei muss darauf geachtet werden, dass die Pferde nicht zu jung arbeiten müssen, Shire Horses sind Spätentwickler.
Natürlich kann man Shire Horses auch reiten. Im Freizeitbereich machen sie ihrem Besitzer durch ihre Lernbereitschaft und ihr sanftes Wesen viel Freunde. Dass ihr Talent im Bereich des Springsportes deutliche Grenzen hat, versteht sich von selbst, und auch im Dressursport braucht ein turnierbegeisterter Reiter ein Pferd mit sportlicheren Bewegungen. Langes Galoppieren, wie man es von einem Distanzpferd erwartet, ist nicht die Spezialität der Kaltblüter, aber Wanderreiten durch nicht zu bergiges Gelände liegt ihnen durchaus.

Haltung

Ein großes Pferd braucht natürlich eine große Box, man bedenke, dass sich die Mindestanforderungen an eine Boxengröße an der Widerristhöhe des Pferdes orientiert: Die Box muss eine Größe von der doppelten Widerristhöhe im Quadrat aufweisen. Für ein 1,70 Meter großes Pferd bedeutet das eine Mindest-Grundfläche von zwölf Quadratmetern. Besser natürlich mehr!
Zudem sollte die Boxeneinrichtung eine Shires Horses eine gewisse Stabilität aufweisen – sonst ist eine Wand vielleicht schnell eingedrückt oder eine Heuraufe zerbrochen. Bei der Fütterung ist Vorsicht bei der Fütterung von zu viel Kraftfutter angesagt. Zu nährstoffreiche Fütterung bekommt den Shires, die in England traditionell mit Heu- oder Strohhäkseln gefüttern werden, nicht. Desweiteren tun sich die schweren Kaltblüter mit steilen Hängen nicht so leicht – ebene Weiden kommen ihnen mehr entgegen. Und generell sollte eine artgerechte Haltung mit Auslauf und Pferdekontakten wie bei allen Pferden selbstverständlich sein.

Rassetypische Erkrankungen

Zu den rassetypischen Erkrankungen gehört leider, wie bei anderen Pferderassen mit dichtem Fesselbehang auch, die Mauke. Eine zu eiweiß- oder nährstoffreiche Ernährung kann das Entstehen von Stoffwechselerkrankungen begünstigen. Der Fesselbehang muss immer gut gepflegt werden.
Wichtig ist bei den großen Shires auch, dass sie unbedingt ausreichend Zeit für ihr Wachstum benötigen. Bevor der Bewegungsapparat größeren Belastungen ausgesetzt wird, muss er einigermaßen ausgereift sein. Andernfalls droht er Schaden zu nehmen.


Silke Behling

©Ricarda Wowries

Silke Behling ist selbstständige Redakteurin und arbeitet sowohl im Buch – als auch im Zeitschriftenbereich. Ihre Veröffentlichungen reichen von Fachbüchern bis zu Zeitschriftenartikeln. Als Diplom-Pädagogin liegt ihr der Bereich Bildung und Kinder besonders am Herzen, weshalb sie seit vielen Jahren für das Kindermagazin „Piaffino“ schreibt. Zudem bietet sie als ausgebildete Pferde-Physiotherapeutin (DIPO) Akupunktur und Physiotherapie für Pferde und Hunde im Raum Osnabrück an. Ihre Freizeit genießt sie mit ihrem inzwischen 24-jährigen Vollblutaraber El Santee, mit dem sie beim Distanzreiten früher Wettkämpfe bis zu 120 Kilometern bestritten hat, und ihren beiden Hunden Lotta und Easy.


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