So werden Kleintiere handzahm

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Kleintiere handzahm machenAnders als Hunde oder Katzen sind Kleintiere wie Kaninchen, Meerschweinchen oder Degus Fluchttiere, die vor einer drohenden Gefahr weglaufen. Wie man sie dennoch schnell handzahm bekommt, erfährst du hier.

Wie werden Kleintiere handzahm?

Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster, Chinchillas oder Mäuse gehören zur Gattung der Fluchttiere. Das heißt, wann immer ihnen etwas nicht geheuer ist, nehmen sie erst einmal Reißaus und verkriechen sich in einer geschützten Ecke oder Höhle. Einige suchen auch Schutz bei ihren Artgenossen und genießen die Sicherheit der Gruppe. Aus diesem Grund solltest du Kleintiere auch niemals alleine, sondern immer mindestens paarweise halten. Einzige Ausnahme bildet der Hamster. Als Einzelgänger bevorzugt er es, ohne einen permanenten Sozialpartner zu leben. Dennoch kannst du deine Kleintiere mit etwas Geduld und ein paar Tricks handzahm bekommen. Schließlich brauchen dich die munteren Nager für ihr leibliches Wohl und damit sie sich rundum wohlfühlen.

Nicht jedes Kleintier wird zahm

Berücksichtigen sollte man, dass Kleintiere keine Spielzeuge sind und wie jedes Lebewesen ganz eigene Bedürfnisse haben, die zumeist instinktgesteuert sind. Auch solltest du bei der Auswahl des Kleintieres bedenken, dass nicht alle kleinen Haustiere vollständig zahm werden. Hamster, Mäuse und Ratten sind in der Regel keine Kuscheltiere. Auch bei Meerschweinchen gibt es viele Vertreter, die sich nur ungern oder nur kurzzeitig streicheln lassen. Kaninchen sind dagegen allgemein sehr verschmust, was an ihrem ausgeprägten Sozialverhalten liegt. Instinktiv unterstützen sie sich bei der gegenseitigen Fellpflege und lieben es, dicht an dicht mit ihrem Partnertier zu kuscheln.

Daher eignen sich Zwergkaninchen oder die etwas größeren Stall- oder Hauskaninchen sehr gut auch als Streicheltiere. Aber nicht jedes Kaninchen ist gleich. Sie haben unterschiedlich ausgebildete Charaktere und verhalten sich anders. Das trifft auch auf Frettchen zu, die besonders menschenverbunden sind. Allerdings solltest du dich vor der Anschaffung von Frettchen genau erkundigen, denn ihre Haltung ist sehr anspruchsvoll und unterscheidet sich ganz wesentlich in Unterbringung und Ernährung zu anderen Kleintieren.

Neue Fellnase zunächst ankommen lassen

Die meisten Kleintiere sind jedoch sehr menschenbezogen, und sobald sie Vertrauen gefasst haben, werden sie auch zutraulich. Wenn gerade eine Fellnase neu bei dir eingezogen ist, solltest du ihr etwas Zeit zum Eingewöhnen geben. Schließlich ist alles neu und ungewohnt für das Tier. Es wird mit fremden Geräuschen und Gerüchen konfrontiert, an die es sich erst noch gewöhnen muss. Egal, ob es bisher in einer Zoologie war, bei einem Züchter oder vielleicht sogar im Tierheim gelebt hat – auf die neue Umgebung wird es zunächst ängstlich und zurückhaltend reagieren. Doch die meisten Nager sind extrem neugierig und wollen ihre neue Behausung erkunden und als ihr persönliches Refugium beanspruchen.

In den ersten Tagen sollte sich deine Kontaktaufnahme mit dem Neuankömmling daher eher auf das Beobachten beschränken. Dabei kann man viel über sein Verhalten lernen. Du kannst auch sanft mit ihm sprechen, damit er sich an deine Stimme gewöhnt. Wenn das Meerschweinchen oder das Kaninchen noch nicht so vertraut mit Menschen ist, wird es zunächst auch weglaufen, wenn du die Hand in den Käfig oder Stall hältst. Das ist in der ersten Zeit ganz normal.

Snacks und Leckerli helfen beim Freundschaft schließen

Nach einigen Tagen kannst du dann Freundschaft mit deinem Kleintier schließen. Das funktioniert am besten über Futter. Das bedeutet nicht, dass alle Kleintiere verfressen sind und sich ihre Zuneigung über den Magen definiert. Sie müssen eigentlich permanent mümmeln oder kauen, um ihr komplexes Verdauungssystem anzukurbeln. Kleintiere haben einen Stopfmagen oder anders ausgedrückt, es muss regelmäßig Futter nachgeschoben werden, damit sie überhaupt koten können. Also ist es nicht verwerflich, sie mit Snacks oder Leckerli für sich einzunehmen, damit unterstützt du ihre natürlichen Fressgewohnheiten.

Anfangs wird die Fellnase den Futterbrocken wohl noch nicht direkt aus der Hand annehmen. Auch dazu braucht es etwas Vertrauen. Wenn es von deiner Hand zurückweicht, kannst du ihm das Leckerli einfach etwas entfernt vor die Nase legen. Nach einigen Tagen ist in der Regel das Eis gebrochen und das Tierchen hat gelernt, dass es vor einer Menschenhand keine Angst zu haben braucht und dass sich darin etwas Schmackhaftes befinden kann. Achte aber auch bei Leckerlis auf eine artgerechte Fütterung. Schokolade, Kartoffelchips oder Gummibärchen können gesundheitliche Probleme hervorrufen und schaden den Zähnen. Im Zoofachhandel findest du für jedes Kleintier die passenden Snacks.

Kleintiere nicht sofort auf den Arm nehmen

Wenn es nicht unbedingt erforderlich ist, solltest du das Kleintier in der Eingewöhnungsphase nicht aus dem Käfig oder Stall und zunächst besser auch nicht auf den Arm nehmen. Viele Kleintiere reagieren verstört auf so viel ungewohnte Nähe zum Menschen und können zudem die Höhe nicht einschätzen. Ein Sturz kann böse enden. Kaninchen haben die Angewohnheit heftig zu strampeln und können sich in Windeseile aus den Händen herauswinden. Dabei können sie mit ihren scharfen Krallen tiefe Kratzer auf der Haut hinterlassen. Die Aktionen passieren so schnell und unerwartet, dass du kaum reagieren kannst. Meerschweinchen machen ihren Unmut und ihrer Angst durch sehr lautes Quieken deutlich, das einen ganz schön erschrecken kann.

Möchtest du Hamster oder Mäuse in die Hand nehmen, solltest du sehr vorsichtig vorgehen, denn die kleinen Körper sind nicht sehr widerstandsfähig. Auch für alle Mäuseartigen gilt, lieber erst abzuwarten, bis sie sich mehr an dich gewöhnt haben.

Lass‘ die Fellnasen die Initiative ergreifen

Die beste Methode, mit einem Kleintier in Kontakt zu treten ist, sie auf dich zukommen zu lassen. Wenn sie sich in ihrem Käfig oder Stall gut eingelebt haben, sollten sie als Nächstes ihren Freilauf erkunden dürfen. Alle Kleintiere sind bewegungsaktiv und benötigen täglich einen für die Art entsprechend großen Auslauf. Je größer das Tier, desto größer sollte auch das Freilaufgehege sein. Bei Kaninchen werden zwei Quadratmeter pro Ohrenpaar empfohlen und bei Meerschweinchen sind es eineinhalb Quadratmeter. Ideal ist, wenn das Gehege etwas größer ist, sodass du deine Tiere besuchen kannst. Setz‘ dich einfach auf den Boden und du wirst sehen, dass innerhalb kurzer Zeit die Neugier siegt und die putzigen Gesellen sogar auf dir herumklettern.

Auch in dieser Situation kommen wieder die Leckerlis aus dem Zoofachhandel zum Einsatz, mit denen du deine Kleinen während ihrer Gehegezeit etwas verwöhnen kannst. Auf diese Weise fassen sie ganz schnell Vertrauen zu dir und nach und nach wirst du sie auch streicheln können, ohne dass sie weglaufen. Du kannst ihnen auch kleine Tricks beibringen und sie durch Intelligenz-Spielzeuge fördern. Auch ein Clicker kann zur Belohnung eingesetzt werden.

Fazit: Alle Kleintiere können mit etwas Geduld und dem richtigen Umgang bald handzahm werden. Nimm dir Zeit, um Freundschaft zu schließen und akzeptiere auch, wenn deine Tiere lieber eigene Wege gehen möchten. Mit ein wenig Einfühlungsvermögen kann eine harmonische Mensch-Tier-Beziehung entstehen, die du nicht mehr missen möchtest.

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