Lernverhalten von Hunden

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Lernverhalten von Hunden

Das Lernverhalten von Hunden ist ein interessantes und zugleich sehr umfangreiches Thema mit vielen verschiedenen Aspekten und Betrachtungsweisen. Dabei setzen wir uns sowohl im Training als auch in der Erziehung, oder schlichtweg in unserem Alltag, mit der Thematik des Lernens auseinander – ob bewusst oder unbewusst. Wie können wir unserem Hund etwas Neues beibringen oder auch wieder abgewöhnen? Kann jeder Hund lernen? Warum erlernt er aber diese eine Verhaltensweise nicht? Warum bettelt mein Hund ständig am Tisch? Hat er nicht gelernt, dass er das nicht darf? Diese und noch viele weitere Fragen begleiten uns in diesem Zusammenhang. Wir möchten dir gern einen Einblick in diese spannende Welt des Lernens gewähren und dir das Lernverhalten von Hunden nahebringen.

Der Lernprozess

Lernen ist ein wichtiger und sehr komplexer Prozess. Signale und eingehende Informationen werden dabei vom Hund über seine verschiedenen Sinnesorgane aufgenommen und verarbeitet. Das Verhalten des Hundes verändert sich und kann sich den unmittelbaren Gegebenheiten anpassen. Der eigene Zustand soll dadurch stets optimiert werden. Die Verarbeitung und Weiterleitung dieser eingehenden Reize erfolgen mittels der Nervenbahnen und dem Gehirn.

Ein wichtiger Aspekt des Lernprozesses ist die Speicherung der eingehenden Informationen. Diese werden in verschiedenen Teilen des Gedächtnisses abgespeichert. Je nach Speicherort sind die Informationen später wieder abrufbar. Das hat den Vorteil, dass das Gehirn nicht alle eingehenden Reize mit der gleichen Wichtigkeit behandeln muss. Allerdings sind gerade für das Gehirn solche Reize entscheidend, die sehr stark ausfallen und häufig wiederholt werden. Das erlernte Verhalten wird umso schneller wieder gezeigt.

Das Lernen und das Gedächtnis harmonieren miteinander. Das Gedächtnis stellt eine Fähigkeit des Gehirns dar. Es kann eingehende Informationen speichern und später auch wieder abrufen, außerdem Verknüpfungen herstellen. Das Gedächtnis ist unterteilt in Ultrakurzzeit-, Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis. Für uns ist letzteres von Bedeutung. Hier speichern Hunde genau solche Prozesse ab, die auf lange Sicht abrufbar sein sollen. Indem wir Übungen und Trainingseinheiten regelmäßig und oft wiederholen, können wir diesen Prozess fördern. Leider speichern Hunde schnell auch solche Erlebnisse ab, die von besonders hohem emotionalen Wert sind. Dazu zählen beispielsweise Traumata. Das ist ein wichtiger Aspekt, vor allem für die Verhaltensberatung traumatisierter Hunde.

Wie lernen Hunde?

Der Aufbau des Hundegehirns und dessen Funktionen sind dem von uns Menschen recht ähnlich. Doch das Lernverhalten von Hunden ist anders und Hunde lernen auf unterschiedliche Art und Weise. Sie nehmen Informationen mit ihren Sinnen anders wahr als wir. Sie lernen kontextabhängig, d. h. sie bringen Erfahrungen und Eindrücke mit der Umgebung in Verbindung. Dabei können viele für uns Menschen unscheinbar wirkende Dinge für den Hund zum Auslöser für die Ausführung eines gewünschten Verhaltens werden. Dies ist für das Training mit dem Hund sehr entscheidend. Denn wenn wir ihm etwas Neues beibringen möchten, können bereits unsere Kleidung, der Untergrund an diesem Ort oder andere Faktoren sowie eine Kombination dessen Einfluss nehmen.

Ebenso ist die jeweilige Veranlagung zum Lernen, auch Lerndisposition genannt, entscheidend dafür, wie gut ein Hund lernt, wie schnell und auch wieviel. Derweil können wir zwischen der angeborenen, der erworbenen sowie der aktuellen Lerndisposition unterscheiden. Wie der Name bereits vermuten lässt, gibt die aktuelle Lerndisposition Aufschluss über die gegenwärtige Lernbereitschaft des Vierbeiners und sein aktuelles Befinden. Wohingegen es bei der erworbenen Lerndisposition um die bisherigen Lernerfahrungen geht. Die angeborene Lerndisposition beschreibt die erbliche Veranlagung. Hier geht es vor allem um rassespezifische Merkmale. Diese sind auch für das Training und die Erziehung wichtig und spielen eine große Rolle beim Lernverhalten von Hunden. Jagd- oder Hütehunde benötigen beispielsweise andere motivierende Reize als ein Herdenschutzhund.

Das Hundegehirn

Das Gehirn – ein wahres Meisterwerk der Natur. Als ein sehr wichtiges und zentrales Organ übernimmt es wichtige Aufgaben bei der Steuerung des Körpers. Um die Lernprozesse des Hundes besser zu verstehen, müssen wir den Aufbau des Gehirns näher betrachten. Das Gehirn ist in Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm unterteilt. Jede Region hat eigene Funktionen.
Der Hirnstamm steuert lebenswichtige Funktionen wie Herz-Kreislauf, Atmung und weitere wichtige Reflexe. Das Kleinhirn hat die Aufgabe, die Feinmotorik und die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts zu steuern. Es arbeitet zudem an kognitiven Prozessen.

Das Großhirn steuert die Vorgänge der Signalaufnahme inklusive der dazugehörigen Handlungen. Zum Großhirn gehören zum einen die Großhirnrinde, das limbische System, der Riechkolben und die Basalganglien. Bei der Großhirnrinde wird das rationale Handeln gesteuert. Sie ist also der denkende Part und gleicht eintreffende Informationen mit erlebten Erfahrungen und den Ergebnissen des limbischen Systems ab. Daraus wird eine genaue Vorgehensweise erstellt. Im Vergleich dazu steht das limbische System, welches aus mehreren Gehirnarealen besteht. Es ist zuständig für die Bewertung der Emotionen und ist ebenso an Lernprozessen und dem Gedächtnis beteiligt. Ein weiterer Teil des Gehirns ist der Thalamus. Dieser übernimmt die Aufgabe des Vermittlers zwischen Großhirnrinde und des limbischen Systems. Er ermöglicht auch die Aufmerksamkeit und Konzentration des Hundes. Ein wichtiger Teil des limbischen Systems ist die Amygdala. Sie trägt zur Entstehung von Angst und Aggression bei. Der ebenfalls zum limbischen System gehörende Hypothalamus übt viele Aufgaben aus. Die Steuerung der hormonbildenden Organe ist eine besonders wichtige Aufgabe.

Die Großhirnrinde und das limbische System arbeiten eng zusammen. Allerdings arbeiten sie in gewisser Weise auch gegeneinander. So ist zum Beispiel bei Beschäftigung der Großhirnrinde durch Konzentration oder der Fokussierung auf bestimmte Aufgaben die Arbeit des limbischen Systems gehemmt.
Befindet sich der Hund hingegen in einer sehr stressigen und emotionalen Lage, ist die Großhirnrinde in ihrer Funktionalität blockiert. Dem Hund ist es also nicht möglich in einer stressigen Situation, rational zu handeln oder etwas zu lernen. Es ist deshalb sehr wichtig das richtige Umfeld auszuwählen, wenn der Hund etwas lernen soll.

Lernverhalten von Hunden: Verstärker und Strafen.

Die Themen Verstärker und Strafen sind besonders wichtig in der Hundeerziehung und Ausbildung. Denn diese nutzen wir tagtäglich, teils bewusst oder auch ganz unbewusst. Sich mit dieser Thematik näher zu beschäftigen, kann für dich und für deinen Hund sehr wertvoll sein und dir helfen das Lernverhalten von Hunden zu steuern.
Zuerst müssen wir uns allerdings mit den Begrifflichkeiten vertraut machen, die nun eine andere Bedeutung bekommen. Nehmen wir das Wort „positiv“. Damit verbinden wir ganz automatisch etwas Gutes oder Großartiges. Mit „negativ“ verknüpfen wir etwas Unangenehmes oder Schlechtes. Dieses Denken müssen wir bei den Verstärkern und Strafen jedoch ablegen. „Positiv“ bedeutet in diesem Fall, dass etwas hinzugefügt wird, bei „negativ“ wird etwas genommen.

Positive Verstärker

Vorweg ist zu klären, was Verstärker überhaupt sind. Verstärker sind Reize, die dafür sorgen, dass ein Hund ein Verhalten öfters zeigt. Dabei unterscheiden wir zwischen einem positiven und einem negativen Verstärker. Bei dem positiven Verstärker wird dem Hund ein angenehmer Reiz zugefügt. So gibst du deinem Hund beispielsweise ein Leckerchen oder ein Spielzeug, nachdem er ein von dir gewünschtes Verhalten zeigt. Diese angenehmen Reize können von Hund zu Hund unterschiedlich sein, je nachdem was er am liebsten mag oder was er als angenehm empfindet. So können nicht nur Leckerchen oder ein Spielzeug positive Verstärker sein, sondern auch verbales Lob, Zuneigung in Form einer Berührung, Aufmerksamkeit usw. Es ist wichtig, etwas zu finden, was dein Hund toll findet.

Negative Verstärker

Bei dem negativen Verstärker wird dem Hund etwas weggenommen. In diesem Fall ist es für ihn etwas Unangenehmes. Durch die Wegnahme verspürt der Hund Erleichterung. Er fühlt sich dadurch besser. Die praktische Voraussetzung ist allerdings das vorherige Hinzufügen eines unangenehmen Reizes. Zeigt der Hund dann das gewünschte Verhalten, wird der negative Verstärker entfernt. Der Hund verspürt die besagte Erleichterung.
Typisches Beispiel hierfür ist das Beibringen von „Sitz“. Du möchtest, dass dein Hund „sitz“ macht. Um dies durchzusetzen, drückst du mit deiner Hand auf den Rücken des Hundes. Dies ist für den Hund sehr unangenehm. Er versucht dem Druck zu weichen und setzt sich hin. Du nimmst daraufhin deine Hand von dem Rücken des Hundes runter. Er verspürt Erleichterung, weil das Unangenehme verschwunden ist.
Diese Methode ist nicht für jeden Hund geeignet. Denn bevor dein Hund diese Erleichterung spürt, empfindet er erst etwas Unangenehmes.

Das menschliche Strafdenken

Wir Menschen gehen mit Strafen und deren Bedeutung anders um als unsere Hunde. Auf Verbrechen reagieren wir vielleicht mit Unverständnis, Wut, wünschen uns Rache
oder Vergeltung. Diese Gedanken werden Hunde nie entwickeln. Jede menschliche Gesellschaft, unabhängig auf welchem Kontinent, hat ihre eigenen Regeln, Gesetze und Moralvorstellungen. Wir wachsen mit diesen auf und achten sie oder müssen bei Verstößen mit Konsequenzen in Form von Verwarnungen, Drohungen, Geldbußen, Gefängnisaufenthalte usw. rechnen. Der Mensch soll durch die Strafe Einsicht entwickeln und Schuld empfinden. Außerdem soll er vor weiteren Straftaten abgeschreckt werden.

Auf das Lernverhalten von Hunden ist dieses Gedankengut nicht übertragbar, aus dem einfachen Grund, weil sich Hunde keine Gedanken über die Zukunft oder die Vergangenheit machen. Sie leben im Hier und Jetzt. Sie können unser moralisches Strafdenken nicht verstehen. Nur wenn die Strafe in einem lerntheoretischen Zusammenhang steht, kann der Hund verstehen und sein Verhalten ändern.

Positive Strafe

Bei einer Strafe handelt es sich um einen Reiz, der den Hund veranlasst, ein Verhalten zu unterlassen oder nicht mehr so intensiv zu zeigen. Auch hier unterscheiden wir zwischen einer positiven und einer negativen Strafe. Bei der positiven Strafe wird dem Hund etwas Unangenehmes hinzugefügt. Dabei solltest du dir allerdings immer Gedanken machen, wie du vorgehen möchtest. Die Strafe muss auf jeden Fall auf den Hund, seine Persönlichkeit und auf die Situation zugeschnitten sein. Er darf weder leiden, noch traumatisiert werden.
Du kannst den Einsatz einer positiven Strafe nutzen, um ein Unlustgefühl bei deinem Hund hervorzurufen. Es soll zum Abbruch der unerwünschten Verhaltensweise führen
oder zumindest dazu, dass diese weniger intensiv gezeigt wird. Bei manchen Hunden reicht bereits ein böser Blick, andere Hunde hingegen reagieren mehr auf Körpersprache. Jeder Hund ist individuell zu betrachten.

Negative Strafe

Bei der negativen Strafe wird dem Hund etwas weggenommen. In diesem Fall handelt es sich um etwas Angenehmes. Infolge dessen erfährt der Hund eine Enttäuschung, da ihm etwas weggenommen wurde, was er sehr mag. Dies können verschiedene Dinge sein, beispielsweise sein Lieblingsspielzeug. Auch kann der Entzug von Aufmerksamkeit (bewusstes Ignorieren) kann eine negative Strafe für einen Hund sein.

Die unerwünschten Folgen von Strafen

Den Hund zu strafen kann auch unerwünschte oder unbeabsichtigte Auswirkungen zur Folge haben. Dies sollte jedem klar sein, der Strafen bewusst einsetzt. So kann beispielsweise ein Hund beim Einsatz einer Strafe, die unangemessen angewandt wird, leiden. Es kann sogar zu einer Traumatisierung führen. Dies sollte unbedingt vermieden werden. Außerdem ist es tierschutzrelevant und verboten. Der Hund lernt zudem keine alternativen Verhaltensweisen. Er wird vielleicht lernen, das unerwünschte Verhalten zu unterlassen oder zeigt wohlmöglich Meideverhalten. Er wird aber nicht verstehen, was er stattdessen tun soll. Wenn er also nicht weiß, was zu tun ist und keine eigene Strategie findet, kann es passieren, dass er in diesem unerwünschten Verhalten stecken bleibt.

Lernverhalten von Hunden: Missverständnisse und Pannen

Dass das Lernverhalten von Hunden anders ist, als das von Menschen, habe ich bereits erläutert. Zwischen Mensch und Hund gibt es in Bezug auf das Lernen gravierende Unterschiede. Kein Wunder also, dass es immer mal wieder zu Missverständnissen und Pannen in der Erziehung und Ausbildung unserer Hunde kommen kann. Nun möchte ich gerne näher auf diese eingehen.

Das Lernumfeld

Hunde lernen kontextabhängig. Das bedeutet, wenn das „Sitz“ im Wohnzimmer funktioniert, dass es nicht zwangsläufig auch in der Küche klappen muss. Für deinen Hund kann euer Wohnzimmer mit den Möbeln, deine Stehposition, dem Untergrund und/oder noch weiteren Faktoren Auslöser des Verhaltens sein. Dein Hund bringt seine Erfahrung und seinen Eindruck mit dem Raum „Wohnzimmer“ in Verbindung. Die Küche indes ist ein neuer Raum und somit ein anderer Kontext: eine neue Umgebung, neue Gerüche, andere Geräusche, anderer Untergrund und vieles mehr. Für dich als Hundehalter ist es daher wichtig, die Übung „Sitz“ auch an vielen verschiedenen Orten mit deiner Fellnase zu trainieren.

Leider ist diese Tatsache vielen Hundehaltern nicht bekannt. Die Enttäuschung, dass das neu erlernte Signal nicht sofort und überall vom Hund ausgeführt wird, kann dabei sehr groß sein. „Er will mich nur ärgern“ oder „er ist einfach nur stur“ – so oder so ähnliche Aussagen werden dabei häufig von enttäuschten Hundehaltern angeführt.
Für euer gemeinsames Training bedeutet dieser Sachverhalt also, das neue Signal in vielen unterschiedlichen Kontexten zu üben. Nicht nur im Wohnzimmer, sondern auch in der Küche, im Garten, auf dem Spaziergang, mit Regenschirm und Jacke und ohne, auf der Wiese, auf dem Bürgersteig usw. Aber die Dosis macht bekanntlich das Gift. Trainiere mit deinem Hund in vielen kleinen Schritten und regelmäßig, als übermäßig lang am Stück.

Das Langzeitgedächtnis von Hunden

Das hündische Gedächtnis ist wahrlich erstaunlich. Im Langzeitgedächtnis wird genau das gespeichert, was auch längerfristig abgerufen werden kann. Das langfristige Speichern können wir durch regelmäßiges Üben unterstützen. Die Regelmäßigkeit im Training spielt daher eine wichtige Rolle. Wir kennen das beim Erlernen neuer Dinge natürlich auch. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Regelmäßiges Üben führt auf lange Sicht gesehen zum Erfolg. Schnell mal eben etwas auswendig gelernt, ist zu einem späteren Zeitpunkt oft nicht mehr zuverlässig abrufbar.

Ein weiterer wichtiger Aspekt zum Thema Langzeitgedächtnis ist das Abspeichern von Erfahrungen, die für den Hund einen hohen emotionalen Wert haben. Erlebt dein Hund beispielsweise ein Trauma, wird dies im Langzeitgedächtnis abgespeichert. In solchen Fällen es sehr wichtig, sich professionelle Unterstützung in Form eines individuell abgestimmten Trainings zu holen. Mit den Auswirkungen eines Traumas will uns unser Hund nicht ärgern oder sich willentlich stur zeigen. Das Erlebte kann durch seinen Speicherort leider immer wieder abgerufen werden und Einfluss auf das Training oder den Alltag nehmen.

Positives Feedback stärkt das Lernverhalten von Hunden

Haben wir unsere Arbeit gut gemacht, freuen wir uns über positives Feedback, nicht nur in Form eines hohen Gehaltsschecks am Ende des Monats. Lob und Zuspruch ist uns ebenso wichtig, oftmals sogar wichtiger. Mit einem guten Gefühl macht die Arbeit doppelt so viel Spaß und geht viel leichter von der Hand. Verhält es sich jedoch anders und es hagelt ständig Kritik, unsere Arbeit wird nicht wertgeschätzt und stets bemängelt, sinkt zwangsläufig unsere Motivation – bei dem einen eher, beim andern später. Auch wenn das höchste Lob der Anerkennung überhaupt kein Feedback ist, nagt es oft an uns, vielleicht aus Ehrgeiz, ob wir auf dem richtigen Weg sind und unsere Arbeit anerkannt wird. Weitere Gründe können uns den Spaß an der Arbeit verderben.

Unseren Hunden geht es ähnlich. Erfährt unser Hund eine positive Bestätigung – egal ob in Form eines verbalen Lobs, eines Leckerchens, eines gemeinsamen Spiels bzw. eines Spielzeugs oder in Form von Aufmerksamkeit – erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass unser Hund das gewünschte Verhalten wiederholt zeigt. Schließlich lohnt es sich aus Hundesicht, da hinterher etwas Großartiges folgt. Fehlt jedoch dieses positive Feedback, wird auch die Motivation unseres Hundes sinken, das von uns gewünschte Verhalten zu zeigen. Folgt als Feedback wohlmöglich gar eine Strafe, wird unser Hund im besten Fall sein Verhalten abbrechen. Er benötigt dann allerdings trotzdem eine Rückmeldung, was er stattdessen tun soll. Bleibt dies aus, kann es passieren, dass unser Hund das unerwünschte Verhalten erneut zeigt. Egal wie wir es auch drehen und wenden: Feedback ist wichtig für unsere Hunde. Viele Menschen neigen jedoch dazu, nichts zu sagen. Dem Hund wird ein Signal gegeben und anschließend wird es wieder aufgelöst – ohne eine motivierende Rückmeldung. Auch wenn der Hund dieses Signal ausführt, kann eine positive Rückmeldung die Motivation des Hundes steigern, ein Zugewinn für die Mensch-Hund-Beziehung.

Faktor Stress

Stress kennen wir alle, ob bei der Arbeit oder daheim. In unserer sich immer schneller drehenden Welt und unserem fordernden Alltag steigt der Stress und der Druck stetig. Auch die Umwelt unserer Vierbeiner ist gespickt mit diversen Stressorten. Beginnen wir bereits frühzeitig, sie daran zu gewöhnen, ist es für sie einfacher, damit zurecht zu kommen. Doch dies erfordert von unserer Seite aus viel Feingefühl und Geduld.

Für das Lernverhalten von Hunden ist ein stressfreies Umfeld besonders wichtig. Das Trainingsumfeld sollte zu Beginn sehr reizarm sein. Ablenkungen sollten schrittweise eingebaut werden.
Hat unser Hund Stress im Training, ist er nicht in der Lage, wirklich zu lernen. Die Großhirnrinde steuert das rationale Handeln. Sie ist im Gehirn der denkende Teil. Und wie wir bereits wissen, arbeitet sie eng mit dem limbischen System zusammen, also mit genau dem Teil, der für Emotionen zuständig ist. Arbeitet unser Hund im Training also hochkonzentriert, ist die Großhirnrinde tätig und das limbische System in seiner Funktion gehemmt. Hat unser Hund Stress im Training, befindet er sich in einem emotionalen Zustand. Das limbische System ist aktiviert, die Großhirnrinde dagegen eingeschränkt. Unser Hund kann dann nicht mehr rational denken, geschweige denn lernen.


KristinaKristina Ziemer-Falke ist zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensberaterin durch die Tierärztekammer Schleswig-Holstein und das Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Darüber hinaus verfügt sie über viele Zusatzausbildungen und Schwerpunkte und ist im Prüfungsausschuss der Tierärztekammer Niedersachsen für die Hundetrainerzertifizierungen.
Mit ihrem Mann Jörg Ziemer gründete sie das Schulungszentrum Ziemer & Falke, in dem sie seit vielen Jahren mit viel Herz, Leidenschaft und Kompetenz Hundetrainer in ganz Deutschland ausbilden und viele Weiterbildungsangebote anbieten. Viele kennen Kristina außerdem als erfolgreiche Autorin von Fachbüchern für Hundetrainer und Hundehalter sowie aus Artikeln beliebter Hundezeitschriften.


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