Hütehunde

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Huetehund bewacht SchafeEine große grüne Wiese, viele Schafe von jung bis alt und ein schwarz-weißer mittelgroßer Hund, der flink an der Herde vorbeirennt und diese zusammenhält, teilt oder einzelne Schafe wieder zurücktreibt, je nach Ansage des Schäfer. Dieses Bild haben viele Menschen beim Begriff »Hütehund« im Kopf. Aber was steckt wirklich dahinter? Welche Aufgaben sollten die Hunde erfüllen? Und wo liegt der Unterschied zwischen »Hütehund«, »Hirtenhund« und »Herdenschutzhund«?

Herdengebrauchshunde – unterschiedliche Hunde für unterschiedliche Aufgaben

Ein »Hirtenhund» wurde ursprünglich zum Schützen, Treiben und Zusammenhalten von anderen Tieren gebraucht. Er erfüllt damit also mehrere Aufgaben und zeigt neben starken Hüte-, auch nicht zu unterschätzendes Schutzverhalten. Dabei arbeitet er eng mit dem Hirten zusammen und bewacht diesen und seine Herde! Typische Vertreter dieser Hunde sind Schäferhunde – wobei jedes Land und jede Region ihre eigenen Rassen und Schläge hat. Dazu gehören z.B. der Deutsche und der Belgische Schäferhund, aber auch der Beauceron. Außerdem altdeutsche Hütehunde, wie der Harzer Fuchs oder der Strobel.

»Herdenschutzhunde« sollen das Vieh, nicht bewegen, sondern „nur“ gegen Feinde verteidigen. Oft leben sie dazu ganzjährig bei der Herde und bewachen diese eigenständig. Da sie sich im Ernstfall auch mit größeren Raumtieren anlegen sollen, sind diese Hunde meist groß und schwer mit dichtem Fell. Typische Rassen sind der Pyrenäen Berghund oder der Kangal. Auch hier hat wieder jedes Land seine eigenen Vertreter.

Für das reine Hüten und Treiben werden eher kleine bis mittelgroße, sehr schnelle und wendige Hunde gebraucht. Für solche Arbeiten sind außerdem sehr intelligente Hunde gefragt. Sie arbeiten oft weit weg von ihrem Menschen und müssen jedes Signal sofort verstehen, um genau das zu tun, was ihr Hirte möchte. Ebenso müssen sie aber selbstständig Entscheidungen treffen, wenn ein Schaf aus der Herde ausbrechen möchte und der Schäfer dies nicht sofort bemerkt. Eine enorme Verantwortung, die einem Hund auferlegt wird. Typische Hütehundrassen sind Border Collie und Bearded Collie, aber auch Shelti und Corgi.

Anforderungen an die Haltung

Anders als reine Gesellschaftshunde, wie zum Beispiel der Mops oder Malteser, wurden Hütehunde für eine ganz spezifische Aufgabe gezüchtet. Dieser sollten sie sehr ausdauernd und teilweise eigenständig nachgehen, was sich auch in den Eigenschaften dieser Rassen wiederspiegelt. Sie sind unglaublich lernwillig und arbeiten gerne mit dem Menschen zusammen, treffen aber auch durchaus mal eigenen Entscheidungen. Außerdem sind sie aktiv und sportlich und reagieren besonders schnell und intensiv auf Bewegungsreize. Als Halter eines solches Hundes sollte man den Anforderungen gerecht werden können und das Hütebedürfnis in geeignete Bahnen lenken. Sonst kann es schnell passieren, dass der Hund sich Aufgaben sucht, die eher unpassend sind oder sogar für echte Probleme sorgen können, zum Beispiel das Hüten von Autos oder Kindern.

Das Arbeiten mit dem Hütehund

Heute kommt uns wahrscheinlich zu allererst der Border Collie in den Sinn, wenn wir an das Hüten denken. Der Border Collie stammt aus Großbritannien und wurde 1977 von der FCI offiziell als Rassehund anerkannt. Erste Beschreibungen solcher Hunde gehen aber schon bis in das 16. Jahrhundert zurück!

Es ist ein unglaubliches Vergnügen diese flinken, etwa kniehohen Hunde bei der Arbeit zu beobachten. Blitzschnell setzen sie die Signale ihres Menschen um und lenken damit Schafe nicht nur von A nach B, sondern auch durch Barrieren hindurch oder in eine Umzäunung. Damit die Signale vom Menschen schnell, aber auch über eine relativ große Distanz beim Hund ankommen, arbeitet man hier sehr oft mit einer ganz speziellen Pfeife. Diese kann aufgrund ihrer Beschaffenheit nicht nur verschiedene Tonlängen, sondern auch verschiedene Tonlagen darstellen. Die vorher auftrainierten Töne mit ihren unterschiedlichen Höhen und Längen sagen dem Hund ganz genau, ob er nach links, rechts oder geradeaus soll. Selbst ein Hinlegen oder einfaches Aufstehen versteht der Hund und arbeitet damit seinem Menschen zu.

Wenn du die Möglichkeit hast, dir so etwas einmal anzusehen, dann nimm sie unbedingt war. Es ist ein Schauspiel, was seines Gleichen sucht – eine Harmonie zwischen Mensch, Hund und Schafen.


KristinaKristina Ziemer-Falke ist zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensberaterin durch die Tierärztekammer Schleswig-Holstein und das Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Darüber hinaus verfügt sie über viele Zusatzausbildungen und Schwerpunkte und ist im Prüfungsausschuss der Tierärztekammer Niedersachsen für die Hundetrainerzertifizierungen.
Mit ihrem Mann Jörg Ziemer gründete sie das Schulungszentrum Ziemer & Falke, in dem sie seit vielen Jahren mit viel Herz, Leidenschaft und Kompetenz Hundetrainer in ganz Deutschland ausbilden und viele Weiterbildungsangebote anbieten. Viele kennen Kristina außerdem als erfolgreiche Autorin von Fachbüchern für Hundetrainer und Hundehalter sowie aus Artikeln beliebter Hundezeitschriften. Als Dozentin ist Kristina Ziemer-Falke sehr gefragt und deutschlandweit auf Seminaren und Vorträgen zu Themen rund um den Hund anzutreffen.


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