Mein Hund ist eifersüchtig auf meinen Partner – was tun?

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Neuer Partner – neues Glück! So sollte es zumindest sein, wenn man schwer verliebt eine neue Partnerschaft eingeht. Die Frage ist nur, ob dein Hund dies auch so sieht. Kam dein Hund lange mit dir und deinen Gewohnheiten sehr gut (allein) aus, heißt es noch lange nicht, dass er begeistert ist, wenn die oder der liebste neue Partner die Rituale durchbricht und die Couch gemeinsam mit euch teilt …

Gibt es Eifersucht beim Hund?

Das Thema Eifersucht ist in der Hundeszene ein spannendes Feld und jeder Hundehalter wird sich zwischendurch mal fragen, ob sein Hund eifersüchtig sein kann. Uns Menschen ist Eifersucht gut bekannt. Es ist etwas, was die meisten gar nicht sein wollen, aber es immer wieder Situationen im Leben gibt, bei denen man sich ertappt, selbst eifersüchtig zu sein. Das Gefühl kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein – je nachdem, worum es geht. Dahinter steckt eigentlich ein löbliches Bedürfnis, nämlich das zu schützen, was einem lieb und wert ist: oft der eigene Partner. So ist verständlich, warum dieses Verhalten so intensiv sein kann. Gleichzeitig wird bewusst, dass diese oft (gefühlt) eher lästige Eigenschaft einem guten Zweck dient. Doch, wie steht es um unseren Hund?! Auch Wissenschaftler forschen gerne rund um dieses Thema. Schließlich wäre es nicht das erste Mal, dass Hund und Mensch Analogien aufweisen. Die Chancen stehen ja nicht schlecht, schließlich können Hunde eine Bindung mit uns Menschen eingehen und wir mit ihnen, als auch verfügen Hunde über kognitive Fähigkeiten. Und durch mehrere Studien wurde bestätigt, dass Hunde das Gefühl der Eifersucht erfahren können.

Wann werden Hunde eifersüchtig?

Eifersüchtig wird man dann, wenn einem etwas weggenommen wird, was einem (emotional) wichtig ist. Das können Gegenstände sein, aber auch essentielle Dinge wie der Sozialpartner. Auch beschäftigt sich jemand anderes damit. Das macht es für den Hund nicht wesentlich leichter. Folglich spricht man auch gerne von einer Mischung aus Verlustängsten und einem unguten Gefühl gegenüber einer dritten Person.

Was können wir tun, wenn unser Hund eifersüchtig auf unseren neuen Partner ist?

Zuerst solltest du wahrnehmen, ob dein Hund eifersüchtig ist. Dies erkennst du zum Beispiel durch vermehrte Stressanzeichen, wenn dein neuer Partner in der Nähe ist, als auch ein Dazwischendrängen, zum Beispiel wenn du deinen Partner im Arm hältst. Es gibt Hunde, die zwacken, bellen oder schnappen, wenn dir der Partner zu nahekommt. Es sollte – bei allen – nicht zu übermäßigem Stress kommen. Das Schöne ist, dass du viel selbst regulieren kannst. Wie oben beschrieben hat dein Hund ja Sorge, dass du (ganz oder temporär) ihm weggenommen wirst und sich etwas zwischen euch verändert.

Gib deinem Hund das Gefühl, dass du weiterhin sein Fels in der Brandung bist und sich auch die Beziehung zwischen dir und ihm eigentlich nicht verändern soll. Damit der Hund das verstehen kann, muss er den Beweis kommen, dass du weiterhin für ihn da bist, Rituale sollten bestehen bleiben. Das vermittelt Sicherheit. Gleichzeitig solltest du aber nicht zwischen den Stühlen sitzen, sondern auch selbstverständlich die neue Partnerschaft erleben können. Der neue Partner soll schließlich eine Bereicherung für euch beide sein. Spiegle das in deinen Gedanken und Handlungen wieder. Weiterhin solltest du schauen, dass du deinem Hund in allen Lebenslagen Orientierung bietest. Er wünscht sich Sicherheit. Wenn du ihm diese durch Struktur und Klarheit geben kannst, wirst du merken, dass dein Hund von sich aus entspannter wird. Wirst du sein Fels in der Brandung, besteht für ihn nämlich kein Grund an eurer Beziehung zu zweifeln, egal, wie sich eure Familie vergrößert. Dein Hund kennt dich sehr gut, er wird merken, wenn du ihm etwas vorspielst. Grübelst du also zu lange und zu intensiv darüber, ob die Beziehung gut geht, wie du Hund und Partner glücklich machen kannst, usw. wird sich dein Hund nicht sicher fühlen. Versuche eine gesunde Balance zu finden. Möchtest du Zweisamkeit mit deinem Partner, so hast du das Recht dazu.

Kommt es mal ganz Dicke – das passiert meist an den Tagen, wo alles schief läuft, so sorge für eine freundliche räumliche Trennung, dass es gar nicht zu einem Konflikt kommen kann und nichts eskaliert. Gleichzeitig musst du – an einem schlechten Tag – auch nichts managen. Bringe deinem Hund bei, sich auf ein freundlich ausgesprochenes Signal hin auf eine Decke zu legen. Diese kannst du im Abstand zu dir/euch/deinem Partner hinlegen. Der Hund wird darauf entspannen, der Partner sollte keinen Kontakt zum Hund aufnehmen wollen und jeder genießt seinen Freiraum, aber es können alle integriert werden. Dies ist eine dankbare Übung, wenn man selbst den Kopf gerade nicht frei hat und auch kein Troubleshooting möchte.

Widme deinem Hund zusätzlich kleine Zeiteinheiten nur für euch beide. Auch das wird er genießen. Stellst du fest, dass du gerne auf professionelle Hilfe zurückgreifen möchtest, bitte einen Hundetrainer zu Besuch zu kommen, der sich die häuslichen Strukturen und Abläufe ansieht. Dann geht es meist ein wenig schneller – gerade, wenn man das Gefühl hat zu verkopft zu denken. Ich wünsche dir viel Erfolg und Spaß mit deinem Hund.


KristinaKristina Ziemer-Falke ist zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensberaterin durch die Tierärztekammer Schleswig-Holstein und das Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Darüber hinaus verfügt sie über viele Zusatzausbildungen und Schwerpunkte und ist im Prüfungsausschuss der Tierärztekammer Niedersachsen für die Hundetrainerzertifizierungen.
Mit ihrem Mann Jörg Ziemer gründete sie das Schulungszentrum Ziemer & Falke, in dem sie seit vielen Jahren mit viel Herz, Leidenschaft und Kompetenz Hundetrainer in ganz Deutschland ausbilden und viele Weiterbildungsangebote anbieten. Viele kennen Kristina außerdem als erfolgreiche Autorin von Fachbüchern für Hundetrainer und Hundehalter sowie aus Artikeln beliebter Hundezeitschriften. Als Dozentin ist Kristina Ziemer-Falke sehr gefragt und deutschlandweit auf Seminaren und Vorträgen zu Themen rund um den Hund anzutreffen.


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