„Bleib!“ trainieren

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Bleib
Das Signal „Bleib“ gehört immer noch zu den Klassikern in der Hundeerziehung. Neben „Sitz“, „Platz“ und dem Rückruf ist das „Bleib“ bei vielen Hundehaltern in häufiger Verwendung. Warum kann es sinnvoll sein, seinem Hund das „Bleib“ beizubringen, wenn es doch beim konsequenten Trainingsaufbau eigentlich im „Sitz“ und „Platz“ mit inbegriffen ist? Trainieren wir „Sitz“ und „Platz“ so, dass der Hund weiß er soll sich nicht nur hinsetzten oder hinlegen, sondern auch in dieser Position verharren, bis wir etwas anderes sagen, könnten wir doch eigentlich auf das „Bleib“ verzichten, oder?

Wieso dieses Signal?

Es gibt verschiedene Gründe, warum ein „Bleib“ sehr hilfreich sein kann. Gerade für den Alltag kann das Signal „Bleib“ eine große Wichtigkeit haben. So gibt es bestimmte Situationen, in denen dein Hund für kurze Zeit verlässlich an einer Stelle warten soll, bevor du dich ihm widmen kann. Ein Klassiker ist dabei zum Beispiel das Aussteigen aus dem Auto. Viele Hunde freuen sich, wenn die Tür oder der Kofferraum geöffnet wird und möchten am liebsten sofort rausspringen. Hier kann das „Bleib“-Signal sehr praktisch sein, damit der Hund einfach noch kurz im Auto wartet bevor er raus darf. Das „Bleib“ kann dabei unabhängig von der Position gegeben werden, die der Hund gerade innehat und sagt ihm nur, dass er sich nicht vom Platz, z.B. aus dem Kofferraum hinaus bewegen soll.

Eine große Hilfe kann das „Bleib“ für Halter sein, die es nicht schaffen „Sitz“ oder „Platz“ wirklich immer zu 100% konsequent zu trainieren und im Alltag eine Zuverlässigkeit herzustellen. Ihr Hund schafft es immer wieder im Alltag selbstständig die Signale aufzulösen. Hier könnte durch das „Bleib“ eine große Erleichterung geschaffen werden: Hund und Halter müssen das vorher gegebene Signal nur konsequent umsetzten, wenn danach zusätzlich ein „Bleib“ kommt. So gibt es eine klare und auch einhaltbare Regel und das Training wird fairer. Der Halter kann sich vorher immer genau überlegen, ob er in der jeweiligen Situation wirklich in der Lage ist konsequent zu sein und dann das „Bleib“-Signal geben („Sitz“ + „Bleib“). Falls nicht, kann er aber auch weglassen und sein Hund darf eigenständig auflösen, ohne Ärger zu bekommen („Sitz“).

Wie sieht das Training aus?

Du beginnst das Training, indem du dir erst einmal ein paar Leckerlis zur Hand nimmst und eine ruhige Trainingsumgebung schaffst. Optimal ist für den Anfang ein geschlossener Raum, der wenig Ablenkung bietet und in dem du mit deinem Hund ungestört arbeiten kannst. Bevor du mit ihm nach draußen gehst, sollte das Training drinnen bereits einwandfrei klappen, da im Freien einfach viel mehr Umgebungsreize sind, die das Training für deinen Vierbeiner erschweren.

Schritt 1

Starte nun, indem du deinen Hund ins „Sitz“ oder „Platz“ bringst. Du sagst dann „Bleib“ und streckst ihm deine flache Hand entgegen. Dieses „Stopp“-Handzeichen wird er später mit dem Signal „Bleib“ verknüpfen. Dein Vierbeiner bleibt in seiner Position und bekommt dafür eine Belohnung.

Schritt 2

Mache dann auch mal einen Schritt zurück und gehe gleich wieder vor, bevor dein Hund auf die Idee kommt, dir zu folgen. Hat das geklappt, bekommt er wieder ein Leckerchen.

Es gilt zum einen, an der Dauer zu arbeiten, die dein Hund abwartet. Zum anderen ist da noch die Distanz und der Schwierigkeitsgrad. Es ist ein großer Unterschied, ob du Sichtkontakt hältst oder deinem Hund den Rücken zudrehst oder er dich vielleicht gar nicht sieht, weil du kurz um die Ecke gegangen bist. Außerdem wird es natürlich schwieriger für ihn, wenn der Reiz größer wird. Das können beispielsweise spielende Kinder mit einem Ball sein oder ein anderer Hund, der vorbeigeht.

Das Signal festigen

Aber bevor es an die schwierigeren Situationen geht, soll das Signal erst einmal Zuhause funktionieren und gefestigt werden. Du wiederholst also viele Male den Ablauf: Du lässt deinen Hund sitzen und bewegst dich dann einige Schritte rückwärts. Schließlich gehst du wieder zu ihm und belohnst ihn in der nach wie vor sitzenden Position. Steigere dich hier ganz individuell nach deinem Gefühl. Fällt es deinem Hund sehr schwer sitzen zu bleiben, entferne dich nur wenige Schritte und behalte deinen Hund gut im Auge, damit du schnell reagieren kannst, falls dein Hund aufspringen möchte.
Passiert es dennoch, ist das kein Problem. Du bleibst ganz entspannt und bringst ihn genau dorthin zurück, wo er vorher saß. Dann wiederholst du die Übung. Achte darauf immer mit einem Erfolgserlebnis das Training zu beenden.

Auflösen

Bei dem Signal „Bleib“ ist es total wichtig, dass du ein Auflösesignal einführst, damit dein Hund nicht automatisch aufspringt, sobald du wieder bei ihm bist. Das kannst du gut austesten, indem du einfach mal an ihm vorbeigehst. Stell dich aber darauf ein, deinen Hund nun gleich zu korrigieren, sobald er es als Aufforderung versteht, mitzukommen. Sobald er sich dann wieder frei bewegen darf, sagst du beispielsweise „Okay“. Das Leckerli sollte dein Vierbeiner immer in der Position bekommen, in der er sich beim Warten befunden hat, nicht wenn er aufspringt!

Im Alltag

Im Alltag ist dieses Signal eine große Erleichterung und schafft Sicherheit. In vielen Situationen wirst du es gut gebrauchen können und froh sein, dass dein Hund es beherrscht. Nun heißt es aber, das Signal auch immer wieder zu festigen und regelmäßig zu üben. Gerade im Alltag bieten sich einige Situationen, die das Signal zusätzlich erschweren – seien es andere Hunde, Radfahrer oder eine bekannte Person, die nicht gleich stürmisch begrüßt werden soll. Achte zu jedem Zeitpunkt darauf, deinen Hund gegebenenfalls zusätzlich zu sichern und kein Risiko einzugehen. Dein Vierbeiner kann immer mal impulsiv reagieren und das vermeintlich gut sitzende Signal nicht korrekt ausführen und stattdessen losschießen. Um die Kontrolle zu behalten, kannst du eine Schleppleine am Geschirr deines Hundes lassen oder die Leine locker an einer Straßenlaterne/Bank befestigen.


KristinaKristina Ziemer-Falke ist zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensberaterin durch die Tierärztekammer Schleswig-Holstein und das Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Darüber hinaus verfügt sie über viele Zusatzausbildungen und Schwerpunkte und ist im Prüfungsausschuss der Tierärztekammer Niedersachsen für die Hundetrainerzertifizierungen.
Mit ihrem Mann Jörg Ziemer gründete sie das Schulungszentrum Ziemer & Falke, in dem sie seit vielen Jahren mit viel Herz, Leidenschaft und Kompetenz Hundetrainer in ganz Deutschland ausbilden und viele Weiterbildungsangebote anbieten. Viele kennen Kristina außerdem als erfolgreiche Autorin von Fachbüchern für Hundetrainer und Hundehalter sowie aus Artikeln beliebter Hundezeitschriften.


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