Löwchen im Rasseportrait

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Steckbrief Löwchen

Familienhunde
Herkunft Frankreich Lebenserwartung 15 Jahre
FCI-Standard FCI Gruppe 9: Gesellschafts- und Begleithunde Funktion Familienhunde
Größe Mini Hunderassen Häufige Krankheiten Augenreizung, beschädigte Tränenkanäle
Gewicht ca. 6 kg Felllänge lang
Charakter/Wesen intelligent, aufmerksam, verschmust Fellfarbe verschieden
Besonderheiten

Stadthund
Anfängerhund
Alte Hunderasse

Herkunft und Rassegeschichte

Das Löwchen entstammt einer uralten Familie von Schoß- und Begleithunden, die unter dem Namen Bichons zusammengefasst werden. Es stammt aus Frankreich und Belgien. Auf Französisch wird es „Bichon petit chien-lion“ oder „Petit Chien Lion“ genannt. Die Wurzeln der Bichons lassen sich bis in die Antike nachverfolgen. In den Hafenstädten des Mittelmeers waren Bichons die geschätzten Begleiter der Damen aus besserem Hause. Sie galten auch als wertvolle Geschenke. Schon Aristoteles beschrieb vor 2.400 Jahren einen „melitäischen Hund, der von auffällig kleinem Wuchs sei“. Zahlreiche weitere Schriften, Kunstwerke wie ein Vasengemälde aus dem Jahr 100 vuZ oder Plastiken aus Stein belegen die Existenz und hohe Wertschätzung dieser Kleinhunde seit Menschengedenken.

Die Menschen hatten offensichtlich schon sehr früh und in den verschiedensten Kulturen das Bedürfnis nach einem Hund als Begleiter, als Partner der Psyche. Der Löwchen ist eng mit dem Malteser, Havaneser und dem Bologneser verwandt. In einem der ältesten Bücher über Hunde, 1550 von Conrad Gesner geschrieben, werden diese Hunde eindeutig beschrieben – nicht zu verwechseln etwa mit einem Kleinpudel. In einer Illustration dazu, 1669 angefertigt, wird ein Löwchen in seiner auch heute noch typischen Schur gezeigt. Als Schoßhunde der reichen Damen kamen die Bichons um die ganze Welt. Bichons wie das Löwchen sind somit der lebende Beweis dafür, dass man auch Begleithunde über Jahrhunderte hinweg gesund züchten kann.

Gerade in unserer heutigen, oft hektischen Zeit sind Hunde wie das kleine Löwchen eine gute Wahl. Denn eines sind sie sicher: angenehme und intelligente Familienhunde, die sich auch in der Etagenwohnung einer Großstadt richtig wohl fühlen. Von manchen Hundefreunden werden Schoßhunde wie die Bichons gerne belächelt und zuweilen gar als „Fehlentwicklung“ unserer heutigen Gesellschaft gesehen. Doch weit gefehlt. Sie haben eine äußerst wichtige Funktion und einen hohen Nutzen. Denn solche Hunde tun schlicht unserer Psyche gut. 1961 erfolgte die offizielle Anerkennung dieser historischen Rasse durch die Fédération Cynologique Internationale. In Deutschland fallen 100 bis 150 Welpen pro Jahr unter dem Dach des VDHs.

Beschreibung

Das Löwchen ist ein eher kleiner Hund mit langem, seidigem Fell. Die Rasse hat ein quadratisches Gebäude, das durchaus robust ist. Die Widerristhöhe liegt zwischen 20 und 35 cm. Das ist eine recht breite Spanne. So können als Gewicht nur etwa 6 kg als Anhaltspunkt gegeben werden. Zum Haarkleid legt der Standard fest: „Seidig, lang, gewellt, dicht; ohne Unterwolle.“ Alle Farben sind erlaubt, ausdrücklich auch kombinierte Färbungen.

Die Rute wird über dem Rücken getragen. Der Hund macht einen fröhlichen, aufgeweckten Eindruck und so ist er auch. Der Standard schreibt zum Aussehen ferner:

Er ist ein kleiner Hund. Intelligent, voller Elan und mit lebhaftem Ausdruck wirkt er sehr aufgeweckt; insgesamt robust mit gutem Knochenbau, einem kurzen und gut proportionierten Körper, mit windhundartiger Silhouette und hochgetragenem Kopf.

Für Hundeausstellungen wird die Löwenschur verlangt. Dazu heißt es im Standard:

Der stolze und forsche Gang, seine flatternde Mähne, wird durch die löwenartige Schur noch betont; die nicht rasierten Teile müssen völlig natürlich bleiben, in keinem Fall sollten sie geschnitten sein.

Charakter und Wesen

Löwchen: Petit chien lionDas Löwchen ist ein gelernter Begleiter des Menschen. Anders als beispielsweise die kleinen Terrier, die erst in jüngerer Vergangenheit von ausgemachten Arbeitshunden zu Begleitern umgeschult wurden, kennt der kleine Löwe die Aufgaben als Gesellschafts- und Begleithund bereits seit tausenden Jahren. Sein Wesen kennzeichnet der Standard als:

Sehr schmusig und folgsam gegenüber seinem Herren, aber aufmerksam und aufnahmefähig, locker in allen Situationen, kann er nach Bedarf ruhig und diskret bleiben. Sein ehrlicher und zärtlicher Blick versucht alles zu verstehen, was man von ihm erwartet.

Der kleine Hund hat aber durchaus seinen eigenen Willen. Trotzdem zeigt er kaum Ecken und Kanten, die seine Passion, seiner Familie Freude zu bereiten, entgegenstehen könnten. Er will für und mit seinen Menschen leben. Der putzige Hund ist ein cleveres, neugieriges und intelligentes Kerlchen. Er sorgt immer wieder für Überraschungen und bringt uns zum Schmunzeln. Auch sollte man die Geschicklichkeit dieser Hunde nicht unterschätzen. Viele Berichte besagen, dass man dem Löwchen gut kleine Kunststücke beibringen kann. Trotzdem ist er nicht überaktiv oder gar nervös. Löwchen sind von einem fröhlichen Wesen. Sie sind immer wieder gerne zu einem Spiel aufgelegt. Damit sind sie ideale Begleiter, die uns viel Freude bereiten.

Haltung

Das Löwchen kann sehr gut in der Stadt und in einer Wohnung gehalten werden. Dabei fühlt es sich selbst in einer kleinen Etagenwohnung im höheren Stockwerk wohl. Natürlich braucht es tägliche Runden in der Natur, um zufrieden zu sein. Erst dann kann es sein ausgeglichenes, freundliches Wesen voll entfalten. Ansonsten ist der kleine Hund sehr anspruchslos. Er braucht seine Bezugspersonen und dazu ein wenig abwechslungsreiche Beschäftigung. Lediglich sein Fell bedarf regelmäßiger Pflege, damit es nicht verknotet. Diese kann man gut nutzen, um die Bindung zwischen ihm und Herrchen oder Frauchen zu festigen. Es sollte schon als Welpe an die regelmäßige Fellpflege gewöhnt werden.

Das Löwchen ist ein wirklich idealer Familienhund. Er kann sehr gut in einer Etagenwohnung gehalten werden. Zudem verträgt es sich bestens mit Kindern und ist ein guter Spielpartner. Das setzt allerdings wie immer voraus, dass die Kinder ihn nicht als Spielzeug behandeln. Der kleine Vierbeiner ist ein sehr guter Begleiter, der auch mit dem teils hektischen Großstadtleben zurecht kommt. Es kann in einer Großstadt problemlos gehalten werden, ob beim Single oder in einer Familie, ob jung oder alt. Es ist auch für den Anfänger gut geeignet. Die Hunderasse braucht keine tägliche Arbeit oder intensive Beschäftigung wie Agility, um sich bei den Menschen wohl zu fühlen. Das Löwchen ist agil und hellwach. Trotzdem ist er kein Kläffer.

Erziehung

Der kleine Hund lässt sich sehr gut erziehen. Aber auch er muss erzogen werden. Seine putzigs, drollige, freundliche Art lässt allzu schnell übersehen, dass er eine konsequente Führung und Erziehung braucht. Und er nimmt diese Verantwortung durch Herrchen und Frauchen gerne an. Seine hervorragende Eignung als Begleiter sollte nicht leichtfertig damit verwechselt werden, dass das Löwchen weniger Erziehung bräuchte. Ganz im Gegenteil, seine hohe Intelligenz und Gelehrigkeit fordern geradezu die konsequente Führung durch seine Menschen. Die sollte – wie bei anderen Hunden auch – schon als Welpe beginnen. Das fällt uns bei ihm zuweilen schwer. Aber nicht, weil er nicht lernen könnte oder wollte. Vielmehr lassen wir Menschen uns gerne von diesem kleinen Gesellen als „putziges Wollknäuel“ verzaubern und verhätscheln ihn dann. Ansonsten lässt es sich leicht, auch von einem Anfänger erziehen.

Pflege und Gesundheit

Das Löwchen haart nicht. Du solltest es aber zwei- bis dreimal pro Woche kämmen. Außerdem ist es wichtig, die Augen und den Po frei zu scheren sowie regelmäßig die Haare an den Füßen oder in den Ohren zu entfernen.

Rassetypische Krankheiten

Löwchen ist eine gesunde Hunderasse. Ein allzu üppiges Fell kann die Augen reizen und so Irritationen hervorrufen. Zuweilen sind überdies die Tränenkanäle geschädigt, sodass ständig Augenflüssigkeit aus dem Auge fließt. Das verklebt diesen Bereich und ist als rötliche Färbung auf hellem Fell nicht zu übersehen. Hierauf solltest du schon vor dem Kauf achten (Elterntiere).  Das Hauptproblem für die Gesundheit des Löwchens sind jedoch die vielen unseriösen Anbieter von Welpen im Internet.

Ernährung

Das Löwchen ist sehr genügsam und stellt keine besonderen Ansprüche an seine Ernährung.

Lebenserwartung

Ein seriös gezüchtetes Löwchen hat eine durchschnittliche Lebenserwartung von 15 Jahren.

Löwchen kaufen

Beim Kauf solltest du darauf achten, dass du den Hund nur vor Ort bei einem Züchter kaufst, der dem VDH angeschlossen ist. Seriöse Züchter dokumentieren ihren Wurf detailliert etwa mit Fotos. Zudem werden sie dir gerne Rede und Antwort stehen. Bei Kleinhunden wie dem Löwchen gibt es jedoch leider sehr viele Anbieter aus Hinterhofzuchten oder Puppy-Mills, die sich mit Welpenhandel per Internet ein paar schnelle Euros verdienen wollen. Für einen Löwchen-Welpen aus seriöser Zucht muss man 1000 Euro rechnen.

 


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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